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Rechtsprechung zu Art. 319 ZPO

Rechtsprechung zu Art. 319 ZPO

Jeder Eintrag nennt die Erwägung, die die wiedergegebene Aussage trägt. Die Gliederung folgt den Buchstaben von Art. 319 ZPO.

lit. a — Nicht berufungsfähige Entscheide

BGE 148 III 186, E. 6.5 (18.1.2022)

Kernaussage: Die Abschreibung wegen Gegenstandslosigkeit aus anderen Gründen nach Art. 242 ZPO ist ein Endentscheid; er unterliegt bei gegebenem Streitwert der Berufung, ansonsten der Beschwerde nach Art. 319 lit. a ZPO.

Das Zusammenspiel von Art. 308 und Art. 319 ZPO: Die Rechtsmittelart hängt nicht von der Natur des Entscheids allein ab, sondern zusätzlich vom Streitwert. Unterhalb der Grenze bleibt die Beschwerde.

lit. b Ziff. 1 — Qualifizierte prozessleitende Verfügungen

BGE 151 III 344, E. 2.2.3 (19.2.2025)

Kernaussage: Bei qualifizierten prozessleitenden Verfügungen nach Art. 319 lit. b Ziff. 1 ZPO besteht eine Anfechtungsobliegenheit; die Anfechtungsmöglichkeit verwirkt mit Ablauf der Beschwerdefrist, und die Verfügung kann danach nicht mehr mit dem Endentscheid angefochten werden.

Der praktisch folgenschwerste Entscheid zur Norm — und einer der jüngsten. Wer eine selbständig eröffnete qualifizierte prozessleitende Verfügung nicht innert Frist anficht, verliert sie endgültig. Das Bundesgericht leitet die Obliegenheit aus Treu und Glauben (Art. 52 ZPO) her: Wer nicht anficht, gibt zu erkennen, dass er mit der Anordnung einverstanden ist.

lit. b Ziff. 2 — Nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil

BGE 137 III 380, E. 2 (5.8.2011)

Kernaussage: Nach Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO sind prozessleitende Verfügungen mit Beschwerde anfechtbar, wenn durch sie ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht.

Der Auffangtatbestand für alle übrigen prozessleitenden Verfügungen. Er steht in Spannung zur Anfechtungsobliegenheit nach Ziff. 1: Dort ist die Anfechtung Obliegenheit, hier ist sie an einen drohenden Nachteil geknüpft.

Audit-Protokoll

Beim Audit vom 13.08.2026 waren 31 von 51 Belegpaaren ungestützt (Belegquote 24 %, Urteil C). Die Übersicht wurde verworfen und neu aufgebaut.

Der Pinpoint «BGE 145 III 422 E. 2» zeigte ins Leere. Der Entscheid betrifft zudem die internationale Rechtshilfe nach HBewUe 70 und das Novenrecht im Beschwerdeverfahren (Art. 326 ZPO), nicht das Anfechtungsobjekt nach Art. 319 ZPO.

Nicht übernommen wurden BGE 133 I 100, BGE 137 III 470, BGE 138 III 41, BGE 138 III 471, BGE 138 III 620, BGE 138 III 705, BGE 139 III 133, BGE 139 III 334, BGE 139 III 466, BGE 140 III 167, BGE 140 III 315, BGE 141 III 262, BGE 141 III 270, BGE 142 III 116, BGE 142 III 515, BGE 144 III 394, BGE 145 III 422, BGE 146 III 97, BGE 147 III 586 und BGE 148 III 1. Die Entscheide existieren; die ihnen zugeschriebenen Aussagen liessen sich in keiner Erwägung nachweisen.

BGE 133 I 100 stammt aus dem Jahr 2007; Art. 319 ZPO trat am 1. Januar 2011 in Kraft.

Geprüft wurde über die opencaselaw-MCP (cite, get_regeste, get_erwaegung, find_relevant_erwaegung, check_claim_support).