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Rechtsprechung zu Art. 519 ZGB

Rechtsprechungssammlung zu Art. 519 ZGB

Bundesgerichtsentscheide (nicht publiziert)

BGer 5A_842/2025 vom 1. Juni 2026 (5er-Besetzung, zur Publikation vorgesehen, Abweisung)

  • Abteilung: II. zivilrechtliche Abteilung, 5er-Besetzung
  • Vorinstanz: Obergericht Kanton Nidwalden
  • Verfahrensergebnis: Abweisung der Beschwerde (Bestätigung der Testamentsungültigkeit)
  • Thema: Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB (Ungültigkeitsklage wegen mangelnder Verfügungsfähigkeit); Art. 467 ZGB; Art. 16 ZGB; Beweislast; Demenz; lucidum intervallum; Willkürprüfung
  • Sachverhalt:
    • Erblasserin errichtete Testament; zum Errichtungszeitpunkt bestand nach den vorinstanzlichen Feststellungen mittelschwere Demenz mit ausgeprägten kognitiven Defiziten.
    • Gesetzliche Erben erhoben Ungültigkeitsklage nach Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB.
    • Kantonales Gericht erklärte das Testament für ungültig; Bundesgericht wies Beschwerde ab.
  • Kernaussagen:
    • (E. 4.1) Art. 519 als Rechtsbehelf: Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB ist der prozessuale Weg, wenn die materiellen Voraussetzungen von Art. 467 ZGB (Verfügungsfähigkeit) nicht erfüllt sind.
    • (E. 6.1) Beweislast: Regelfall: Vermutung der Urteilsfähigkeit; wer Urteilsunfähigkeit behauptet, trägt Beweislast. Ausnahme: Bei dauerndem Schwächezustand (Demenz) Vermutung der Urteilsunfähigkeit; Gegenbeweis: lucidum intervallum oder konkrete Handlungsfähigkeit trotz Allgemeinzustand.
    • (E. 6.2) Mittelschwere Demenz: Schliesst Testiersfähigkeit nicht automatisch aus; Gesamtbeurteilung massgebend; Bundesgericht prüft kantonale Beweiswürdigung auf Willkür.
    • Grundlage: BGE 144 III 264 (zwei Elemente der Urteilsfähigkeit).
  • Einschlägig für: Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB (Ungültigkeitsklage wegen Verfügungsunfähigkeit; Beweislast; Demenz)

Bundesgerichtsentscheide (publiziert — BGE)

BGE 144 III 264

  • Thema: Urteilsfähigkeit (Art. 16 ZGB); zwei Elemente; Anwendung auf Art. 467/519 ZGB
  • Kernaussage: Urteilsfähigkeit setzt zwei kumulative Elemente voraus: (1) intellektuelles Element (Erkennen von Sinn, Zweckmässigkeit und Wirkungen der Handlung) und (2) Willenselement (Handeln nach freiem Willen gemäss dieser Erkenntnis). Diese sind handlungs- und situationsbezogen zu prüfen. Massgebend für Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB als materielle Grundlage der Ungültigerklärung; zitiert in BGer 5A_842/2025, E. 6.1.1.
  • Einschlägig für: Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB; Art. 467 ZGB; Art. 16 ZGB

Letzte Aktualisierung: 2026-07-03