Rechtsprechung zu Art. 3 ZGB
Leitentscheide (BGE)
BGE 131 III 511
- Thema: Missbrauch der Vertretungsmacht
- Kernaussage: Die Handlungen eines Vertreters können für den Vertretenen auch bei Vollmachtsmissbrauch verbindlich sein. Der gute Glaube Dritter an die Vertretungsbefugnis wird vermutet (Art. 3 Abs. 1 ZGB i.V.m. Art. 33 Abs. 3 OR).
- Einschlägig für: Abs. 1 — Vermutung des guten Glaubens Dritter
BGE 137 III 145
- Thema: Dienstbarkeit / schonende Ausübung
- Kernaussage: Bei der Ausübung einer Dienstbarkeit bestimmt der bestehende Zustand grundsätzlich den Inhalt und Umfang mit voller Wirkung gegenüber dem Dritterwerber. Das Gebot schonender Ausübung hängt mit Art. 3 ZGB zusammen.
- Einschlägig für: Art. 3 ZGB — guter Glaube bei Dienstbarkeitsausübung
BGE 131 III 418
- Thema: Pfandrecht / Verfügungsmacht
- Kernaussage: Wurde eine Sache durch jemanden ohne Verfügungsmacht verpfändet (Art. 884 Abs. 2 ZGB), kann der Eigentümer den bösen Glauben des Pfandgläubigers beweisen oder geltend machen, dass dieser die gebotene Aufmerksamkeit nicht walten liess (Art. 3 Abs. 2 ZGB).
- Einschlägig für: Abs. 2 — Beweislastumkehr bei Pfandrechtsentstehung
BGE 140 III 602
- Thema: Verwaltungsrat / Rückerstattung
- Kernaussage: Rückerstattung von an Verwaltungsräte ausgerichteten Leistungen bei Missverhältnis. Böser Glaube der Empfänger schränkt die Berufung auf Art. 3 ZGB ein.
- Einschlägig für: Abs. 2 — böser Glaube des Leistungsempfängers
BGE 106 II 346
- Thema: Handelsregisterpublizität / Willensmangel
- Kernaussage: Positive Publizitätswirkung von Handelsregistereintragungen. Der gute Glaube im Zusammenhang mit Registereintragungen wird durch Art. 3 ZGB verstärkt.
- Einschlägig für: Art. 3 ZGB i.V.m. Art. 933 OR — Publizitätswirkung
Weitere Bundesgerichtsentscheide
BGer 4A_195/2014 vom 27.11.2014
- Thema: Fiktives Geschäft / guter Glaube
- Kernaussage: Die Vermutungsregel des Art. 3 Abs. 1 ZGB findet auch im Bereich fiktiver Rechtsgeschäfte Anwendung, wird dort aber durch die Besonderheiten dieses Geschäftstyps eingeschränkt.
BGer 5C.263/2001 vom 12.02.2002
- Thema: Gutgläubiger Pfandrechtserwerb
- Kernaussage: Der von Art. 895 ZGB vorausgesetzte gute Glaube bezieht sich auf die Zulässigkeit der Besitzübertragung. Die Vermutung des Art. 3 Abs. 1 ZGB gilt auch für den gutgläubigen Erwerb von Faustpfandrechten.
BGer 4A_91/2016 vom 03.08.2016
- Thema: Ungerechtfertigte Bereicherung
- Kernaussage: Vermutung des guten Glaubens (Art. 3 Abs. 1 ZGB), widerlegt durch Art. 3 Abs. 2 ZGB, wenn die Partei bei gebotener Aufmerksamkeit den Rechtsmangel hätte erkennen müssen.
BGer C 286/00 vom 08.10.2002
- Thema: Sorgfaltsmassstab bei Leistungsempfang
- Kernaussage: Guter Glaube liegt nicht schon bei Unkenntnis des Rechtsmangels vor; die nach den Umständen gebotene Aufmerksamkeit muss walten gelassen werden (Art. 3 Abs. 2 ZGB).
BGer 8C_141/2018 vom 29.06.2018
- Thema: IV-Rückerstattung / guter Glaube
- Kernaussage: Bei Rückerstattung von Invalidenversicherungsleistungen ist der gute Glaube gemäss Art. 3 ZGB massgeblich. Die Vermutung wirkt zugunsten des Empfängers, kann aber bei erkennbarem Rechtsmangel widerlegt werden.
BGer 8C 182/2014 vom 13.06.2014
- Thema: IV-Erlass / Rückerstattung
- Kernaussage: Bei der Frage des Erlasses von Rückerstattungspflichten in der Invalidenversicherung kommt dem guten Glauben (Art. 3 ZGB) Bedeutung zu. Die Gutgläubigkeitsvermutung schützt den Leistungsempfänger.
BGE 102 V 245
- Thema: Versicherungsrecht / Rückerstattungserlass
- Kernaussage: Im Rahmen von Rückerstattungsbegehren im Sozialversicherungsrecht wird Art. 3 ZGB als massgebliches Kriterium herangezogen.
BGE 109 II 338
- Thema: Verwirkung / Unterlassungsanspruch
- Kernaussage: Verwirkung von Unterlassungsansprüchen setzt u.a. voraus, dass der Kennzeicheninhaber gutgläubig handelte. Art. 3 ZGB spielt bei der Frage des guten Glaubens eine Rolle.
Letzte Aktualisierung: 2026-05-23