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Rechtsprechung zu Art. 48 VwVG

Rechtsprechung zu Art. 48 VwVG

Systematische Übersicht der bundesgerichtlichen Leitentscheide sowie der Gerichtspraxis zur Beschwerdelegitimation nach Art. 48 VwVG.

I. Leitentscheide des Bundesgerichts (BGE)

BGE 141 II 14 (2015)

  • Thema: Beschwerdelegitimation im öffentlichen Beschaffungswesen (Ceneri-Basistunnel)
  • Kernaussage: Nicht berücksichtigte Anbieter sind zur Beschwerde nach Art. 48 Abs. 1 VwVG legitimiert, wenn sie bei Gutheissung ihrer Rügen eine reelle Chance auf den Zuschlag haben oder eine Neuausschreibung verlangen.
  • Konkreter Sachverhalt: Vergabe von Bahntechnik-Losen für ein NEAT-Grossprojekt.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 lit. b und c VwVG

BGE 137 II 313 (2011)

  • Thema: Legitimation bei Freihandvergaben ohne Ausschreibung
  • Kernaussage: Ein potentieller Konkurrent ist zur Anfechtung eines freihändigen Vergabeentscheids legitimiert, um geltend zu machen, dass die Voraussetzungen für eine Direktvergabe ohne Wettbewerb fehlten.
  • Konkreter Sachverhalt: Beschwerde eines Konkurrenten gegen die Direktvergabe eines IT-Dienstleistungsauftrags durch den Bund.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 VwVG

BGE 139 II 328 (2013)

  • Thema: Konkurrentenlegitimation im Kartellrecht
  • Kernaussage: Die Parteistellung und Beschwerdebefugnis von Konkurrenten im Verwaltungsverfahren vor der Wettbewerbskommission (WEKO) setzt voraus, dass diese einen spürbaren, unmittelbaren wirtschaftlichen Nachteil erleiden.
  • Konkreter Sachverhalt: Gesuch eines Konkurrenten um Zulassung als Verfahrenspartei im Kartelluntersuchungsverfahren.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 43 KG

BGE 145 II 259 (2019)

  • Thema: Grenzen der Drittanfechtung bei einvernehmlichen Regelungen
  • Kernaussage: Andere an einer Wettbewerbsabrede beteiligte Unternehmen sind nicht legitimiert, die Genehmigung einer einvernehmlichen Regelung mit einem Mitbeteiligten anzufechten, da ihnen hieran kein schutzwürdiges Interesse zusteht.
  • Konkreter Sachverhalt: Anfechtung eines WEKO-Vergleichsentscheids durch ein nicht am Vergleich beteiligtes Unternehmen.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 lit. b und c VwVG

BGE 135 II 172 (2009)

  • Thema: Legitimation bei kollektiven Tarifgenehmigungen (Public Viewing)
  • Kernaussage: Zwar werden Urheberrechte primär durch Verwertungsgesellschaften wahrgenommen; einzelne Rechteinhaber (wie SRG und UEFA) besitzen jedoch ein eigenständiges schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen Überprüfung von Vergütungstarifen.
  • Konkreter Sachverhalt: Anfechtung eines Tarifgenehmigungsbeschlusses der ESchK für Public-Viewing-Veranstaltungen.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 VwVG i.V.m. URG

BGE 146 I 172 (2020)

  • Thema: Beschwerdebefugnis Dritter bei Steueramtshilfe
  • Kernaussage: Dritte, deren vertrauliche Daten im Rahmen eines Amtshilfeersuchens an ausländische Steuerbehörden übermittelt werden sollen, sind zur Beschwerde nach Art. 48 Abs. 1 VwVG legitimiert.
  • Konkreter Sachverhalt: Anfechtung einer Schlussverfügung der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) durch nicht primär betroffene Kontenbevollmächtigte.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 VwVG i.V.m. StAhiG

BGE 143 II 506 (2017)

  • Thema: Parteistellung im Amtshilfeverfahren Schweiz-USA
  • Kernaussage: Die Beschwerdebefugnis im zwischenstaatlichen Amtshilfeverfahren richtet sich nach Art. 48 VwVG; eine blosse wirtschaftliche Reflexwirkung reicht nicht aus.
  • Konkreter Sachverhalt: Legitimation juristischer Personen zur Rüge der Offenlegung von Kundendaten.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 VwVG

BGE 131 II 753 (2005)

  • Thema: Grenzen der Behörden- und Kantonsbeschwerde
  • Kernaussage: Kantone besitzen keine allgemeine Behördenbeschwerdebefugnis nach Art. 48 Abs. 1 VwVG zur Durchsetzung öffentlicher Interessen, sofern ein Bundesgesetz ihnen dies nicht ausdrücklich einräumt.
  • Konkreter Sachverhalt: Beschwerde eines Kantons gegen die Eintragung einer geschützten Ursprungsbezeichnung (GUB).
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 2 VwVG

BGE 145 V 343 (2019)

  • Thema: Fehlende Legitimation bei blossen Anwartschaften
  • Kernaussage: Wer nur eine mittelbare Anwartschaft auf eine künftige Rente besitzt, ist nicht legitimiert, aufsichtsrechtliche Verfügungen über Teilliquidationen von Pensionskassen anzufechten.
  • Konkreter Sachverhalt: Nichteintreten auf Beschwerde von Angehörigen gegen einen Teilliquidationsbeschluss.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 lit. c VwVG

II. Weitere Entscheide des Bundesgerichts

BGer 1C_30/2018 (11. Mai 2018)

  • Thema: Beschwerdebefugnis von Gemeinden
  • Kernaussage: Eine Einwohnergemeinde ist zur Beschwerde nach Art. 48 Abs. 1 VwVG befugt, wenn sie durch eine auf Bundesrecht gestützte Verfügung in ihren fiskalischen Vermögensinteressen oder in ihren hoheitlichen Planungsbefugnissen qualifiziert berührt wird.
  • Konkreter Sachverhalt: Beschwerde einer Standortgemeinde gegen ein bundesrechtliches Plangenehmigungsverfahren.
  • Einschlägig für: Art. 48 Abs. 1 lit. b VwVG

Letzte Aktualisierung: 2026-08-29