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Rechtsprechung zu Art. 21a VwVG

Rechtsprechungssammlung zu Art. 21a VwVG

Bundesgerichtsentscheide (zur Publikation vorgesehen)

BGer 8C_672/2025 vom 28. Mai 2026 (zur Publikation vorgesehen)

  • Abteilung: IV. öffentlich-rechtliche Abteilung, 5er-Besetzung
  • Thema: Art. 21a VwVG; Zulässigkeit elektronischer Beschwerde an das TAF in IV-Sachen
  • Kernaussage: Art. 55 ATSG regelt nur die nichtstreitige Verwaltungspraxis und das Einspracheverfahren (Art. 27–54 ATSG). Das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Sozialversicherungssachen richtet sich nach Art. 37 VGG unmittelbar nach VGG und VwVG, ohne ATSG-Filter. Art. 3 lit. dbis VwVG greift für TAF-Beschwerdeverfahren nicht. Art. 21a VwVG ist daher direkt anwendbar: Eine Beschwerdeschrift mit qualifizierter elektronischer Signatur des Anwalts ist beim TAF in IV-Sachen formgültig, ohne dass der Bundesrat von seiner Delegationskompetenz nach Art. 55 Abs. 1bis ATSG Gebrauch gemacht haben muss.
  • Dispositiv: Beschwerde gutgeheissen; TAF-Urteil aufgehoben; Rückweisung zur Sachentscheidung
  • Einschlägig für: Art. 21a Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 37 VGG; Art. 55 ATSG; Art. 3 lit. dbis VwVG

Bundesgerichtsentscheide (nicht publiziert)

BGer 9C_576/2025 vom 12. März 2026

  • Abteilung: III. öffentlich-rechtliche Abteilung
  • Thema: Elektronische Eingabe an kantonales Versicherungsgericht; kantonale Grundlage erforderlich
  • Kernaussage: Art. 55 Abs. 1bis ATSG (Delegationskompetenz des Bundesrates für elektronische Kommunikation in ATSG-Verfahren) erfasst nur nichtstreitige Verwaltungsverfahren. Das Beschwerdeverfahren vor den kantonalen Versicherungsgerichten richtet sich nach Kantonsrecht. Solange eine kantonalrechtliche Grundlage für elektronische Eingaben fehlt (im Fall: Kanton Neuenburg bis 31.12.2025), ist eine elektronisch signierte Eingabe unzulässig. Das TAF-Urteil, das eine elektronische Eingabe mangels Kantonsrecht ablehnte, wurde bestätigt (Unterschied: kantonales Gericht vs. TAF — vgl. BGer 8C_672/2025).
  • Dispositiv: Beschwerde abgewiesen
  • Einschlägig für: Art. 21a VwVG (Abgrenzung kantonal/federal); Art. 55 ATSG; Art. 61 ATSG

Bundesgerichtsentscheide (publiziert — BGE)

BGE 143 I 187 (2017)

  • Thema: Elektronisch signierte Beschwerde beim kantonalen Gericht; gesetzliche Grundlage
  • Kernaussage: Eine elektronisch signierte Beschwerdeschrift kann beim kantonalen Gericht nur dann gültig eingereicht werden, wenn dafür eine spezifische gesetzliche Grundlage besteht. Der allgemeine Grundsatz von Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 BV (Treu und Glauben, überspitzter Formalismus) schafft allein keine hinreichende Grundlage. Nur wenn eine entsprechende kantonalrechtliche Regelung existiert, ist die elektronische Signatur formwirksam.
  • Einschlägig für: Art. 21a VwVG (Verhältnis zu kantona­len Gerichten)

BGE 142 V 152 (2016)

  • Thema: Einsprache per E-Mail; ATSG Art. 52 Abs. 1; ATSV Art. 10
  • Kernaussage: Eine per E-Mail erhobene Einsprache gegen eine Verfügung des Unfallversicherers ist mangels qualifizierter elektronischer Signatur und mangels entsprechender Ausführungsregelung des Bundesrates unzulässig. Der Bundesrat hat von der Delegationskompetenz zur elektronischen Kommunikation im Sozialversicherungsverfahren noch keinen vollständigen Gebrauch gemacht.
  • Einschlägig für: Art. 21a VwVG (Verhältnis zu ATSG-Verwaltungsverfahren); Art. 55 Abs. 1bis ATSG

Letzte Aktualisierung: 2026-07-02