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Rechtsprechung zu Art. 2 UWG

Rechtsprechung zu Art. 2 UWG

Ausführliche Auswertung mit den Sachverhalten: → Kommentar zu Art. 2 UWG

1. Bundesgericht — Leitentscheide (BGE)

BGE 133 III 431 — Kundenkontakte nach Vertragsende

THEMA: Verhältnis Generalklausel / Spezialtatbestände; Kundenwerbung

KERNAUSSAGE: Spezialtatbestände sind zuerst zu prüfen, aber nicht abschliessend; die Generalklausel ist im Licht des Zweckartikels anzuwenden. Die Nutzung von Kundenkontakten, die im Rahmen einer beendeten Vertragsbeziehung entstanden sind, um mit eigenen Angeboten am Markt teilzunehmen, ist ohne Konkurrenzverbot nicht unlauter.

BGE 131 III 384 — Spider auf Immobilienplattformen

THEMA: Ausbeutung fremder Leistung; Nachahmungsfreiheit

KERNAUSSAGE: Art. 5 lit. c UWG und Generalklausel verneint; Leistungen ohne Immaterialgüterschutz sind nur bei lauterkeitsrechtlich relevanten Umständen (Herkunftstäuschung, Rufausbeutung, hinterlistiges oder behinderndes Vorgehen) geschützt.

BGE 126 III 198 — «Loto Score»

THEMA: Wettbewerbsrelevanz; Markt

KERNAUSSAGE: Wettbewerb setzt einen Markt voraus, der rechtmässig sein muss; ein auf Täuschung angelegter Markt geniesst den Schutz des UWG nicht. Nicht jeder Betrug ist unlauterer Wettbewerb.

BGE 120 II 76 — Mikrowellenstudie

THEMA: Anwendungsbereich; Wissenschaft

KERNAUSSAGE: Kein Wettbewerbsverhältnis erforderlich; objektive Eignung zur Wettbewerbsbeeinflussung genügt, ideelle Motive sind unbeachtlich; wissenschaftliche Aussagen im Wettbewerbsbezug sind ohne Hinweis auf den Meinungsstreit unlauter, wenn sie nicht gesicherter Erkenntnis entsprechen.

BGE 117 IV 193 — Medienbericht

THEMA: Handlungssubjekt; Medien

KERNAUSSAGE: Auch Journalisten und Medien unterstehen dem UWG; ein Wettbewerbsverhältnis ist nicht erforderlich.

BGE 123 IV 211 — Flugblatt vor Metzgerei

THEMA: Meinungsäusserungsfreiheit; Anschwärzung

KERNAUSSAGE: Unlauterkeit bei Flugblättern nur mit Zurückhaltung; massgebend ist u.a., ob durch den Verteilungsort der Eindruck entsteht, nur die Ware eines bestimmten Anbieters sei verdächtig.

BGE 126 III 239 — berneroberland.ch

THEMA: Domain-Namen; Rufausbeutung

KERNAUSSAGE: Die Registrierung einer geografischen Bezeichnung als Domain-Name ohne objektiv schutzwürdige Interessen und zu Lasten Dritter ist in der Regel unlauter; Absicht ist nicht erforderlich.

BGE 136 III 23 — Formulare für Verzeichniseintrag

THEMA: Täuschung; Auslandsmärkte

KERNAUSSAGE: Gefahr der Täuschung genügt; für die Wettbewerbsrelevanz reicht die objektive Eignung auf einem beliebigen Markt.

BGE 150 III 188 — Personalisierung von Markenprodukten

THEMA: falscher Anschein einer Verbindung; Rufausbeutung

KERNAUSSAGE: Das falsche Vortäuschen einer Verbindung zwischen zwei Unternehmen fällt unter die Generalklausel (E. 6.4.2; Entscheid in französischer Sprache publiziert).

2. Bundesgericht — weitere Urteile

UrteilThemaKernaussage
4A_166/2024TrittbrettfahrenKein Ruf, kein Vertragsbruch: Generalklausel verneint (E. 6)
4A_57/2025GrundtatbestandFormel zu Wettbewerbsbeeinflussung und Täuschungsgefahr (E. 4.2)
4A_152/2020Subjektive SeiteKeine besondere subjektive Vorwerfbarkeit nötig (E. 9)
4A_86/2009AusstattungKeine Umwegthese; Nachahmung ohne Kennzeichnungskraft nur bei besonderen Umständen unlauter (E. 4–5)
4C.32/2004ModellrechtSystematisches Heranschleichen verlangt eine Vielzahl von Modellen (E. 4)
4C.369/1999GesamtbetrachtungEventualbegründung: kaum je insgesamt unlauter, wenn einzelne Handlungen Spezialtatbestände nicht erfüllen (E. 3)
4C.353/2002VerfahrenshandlungVerwaltungsgerichtsbeschwerde keine Wettbewerbshandlung (E. 4)
4A_647/2014Öffentlicher AuftragWettbewerbsrelevanz eines SRG-Werbespots bejaht (E. 2.3.3)
4C.170/2006WarentestZulässig, solange wahr und nicht unnötig herabsetzend (E. 3.1)
4C.316/1999Subjektive SeiteWeder böser Glaube noch Verschulden erforderlich (E. 7b)
4C.163/2000Behinderung / GewinnherausgabeGewinnherausgabe verlangt Eingriff in fremde Rechtssphäre (E. 5)
4A_617/2021Domain-NameRegistrierung und Verwechslungsgefahr; ernsthafte Absicht der Ingebrauchnahme genügt (E. 4.3.4)
6B_106/2018StrafrechtArt. 2 allein nicht strafbar; Verhältnis zu Art. 3 ff.; Gütesiegel (E. 2.4)
6B_67/2014InformationsbeschaffungKostenauflage nach Art. 426 Abs. 2 StPO wegen Art. 2 UWG (E. 2.6)
6B_792/2016KostenauflageArt. 2 UWG kein strafrechtlicher Vorwurf (E. 5)
6B_192/2016AbwerbungAbwerben erst bei besonderen Umständen von Art. 2 erfasst (E. 4.2)
6B_766/2019WettbewerbsrelevanzEignung genügt, tatsächliche Beeinflussung nicht nötig (E. 5.3)
6S.357/2002Abgrenzung zu lit. hTreuwidrigkeit allein macht Verkaufsmethode nicht aggressiv (E. 3)

3. Bundesverwaltungsgericht und kantonale Entscheide

EntscheidThemaKernaussage
BVGer B-3797/2015Rechtsbruch / VergaberechtOb Verstoss gegen kantonales Recht ein Rechtsbruch im Sinne von Art. 2 UWG ist, bleibt offen (E. 4.2–4.4)
ZH HG HG230116BoykottZahlungsverweigerung wegen Sanktionsliste: nicht auf Wettbewerbsbeeinflussung gerichtet (E. 2.8)
ZG OG Z2 2026 5RechtsbruchBagatellschwelle nicht überschritten (E. 7.6.3)
ZG OG Z2 2025 46Art. 7 UWGVoraussetzungen und Bagatellschwelle (E. 4.1)
BS APG ZK.2016.7Rechtsbruch / MassnahmeGesuch an der Dringlichkeit gescheitert (E. 4.3)