Strafzumessung: Ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB)
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Treuebruchtatbestand) — Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe · Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB (Bereicherungsabsicht) — Altrechtlich (bis 30.06.2023): Freiheitsstrafe von einem bis zu 5 Jahren; Neurechtlich (seit 01.07.2023, lex mitior): Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe (Aufhebung der 1-jährigen Mindeststrafe) · Art. 158 Ziff. 2 StGB (Missbrauch der Vertretungsmacht) — Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe
Grundlage und Methodik dieser Auswertung
Grundlage dieser empirischen Untersuchung ist die Gesamtheit der auf entscheidsuche.ch publizierten Gerichtsentscheide zu Art. 158 StGB sowie der systematisierten Entscheiddatenbank für Wirtschaftskriminalität auf strafzumessung.ch/database. Sämtliche in diesem Kommentar ausgewiesenen Strafmasse, Zumessungsschritte und Kürzungsmechanismen beruhen ausschliesslich auf der eigenständigen Volltextanalyse der kantonalen und eidgenössischen Originalurteile. Statistische Fremdaggregate oder abstrakte Lehrmeinungen ohne Urteilsnachweis fliessen nicht in die Werte ein.
Aus dem bereinigten Trichterbestand von Entscheiden, in denen Gerichte eine dogmatisch bezifferte Einsatzstrafe oder Einzelstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB aussprachen, umfasst der Auswertungskorpus 47 Referenz- und Berufungsentscheide mit lückenloser Darlegung der Strafzumessung (21 Urteile aus der ursprünglichen Grundauswertung sowie 26 vertieft strukturierte Urteile aus der Datenbank von strafzumessung.ch). Der Korpus deckt zehn Schweizer Jurisdiktionen ab: Zürich (26 Entscheide), Bern (4), Aargau (4), Basel-Stadt (3), Basel-Landschaft (2), Waadt (2), Genf (1), Tessin (1), Schwyz (1) und Graubünden (1). In diesen Urteilen legen die Gerichte ihre Berechnungen methodisch offen:
- Bestimmung des Leitdelikts: Ermittlung, ob Art. 158 StGB gegenüber konkurrierenden Vermögensdelikten (Betrug gemäss Art. 146 StGB, Veruntreuung gemäss Art. 138 StGB, Misswirtschaft gemäss Art. 165 StGB oder Urkundenfälschung gemäss Art. 251 StGB) die schwerste Tat darstellt und die Einsatzstrafe trägt oder als Nebendelikt mit einem Asperationszuschlag belegt wird;
- Einsatzstrafenbildung: Bestimmung der hypothetischen Einsatzstrafe anhand der objektiven Tatschwere (Deliktssumme, Intensität der Treuepflicht, deliktische Raffinesse) und der subjektiven Tatschwere (Verschuldensgrad, Beweggründe);
- Asperationsmechanik: Bezifferung von Strafzuschlägen für weitere Tathandlungen und Nebendelikte unter Beachtung kantonaler Kürzungsregeln (z.B. Berner Zweidrittel-Regel, Zürcher lineare Asperation pro Deliktsjahr);
- Täterkomponenten: Berücksichtigung von Vorstrafen, Kooperation, Schadenswiedergutmachung und behördlichen Verfahrensverzögerungen;
- Gegenprobe am Urteilsdispositiv: Systematischer Abgleich zwischen der errechneten Tatstrafe und der letztlich im Dispositiv ausgesprochenen Sanktion unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) und der Wahl der Vollzugsform (bedingt, teilbedingt oder unbedingt).
Gegenprobe am Dispositiv: Einsatzstrafe und Endstrafe klaffen in der Wirtschaftsstrafrechtspraxis regelmässig massiv auseinander:
- Verletzung des Beschleunigungsgebots (Art. 5 Abs. 1 StPO): Wirtschaftsstrafverfahren zeichnen sich durch überlange Verfahrensdauern aus. Kompensationen führen zu spürbaren Reduktionen: In BG Meilen / OG ZH SB240125 reduzierte das Obergericht die Zwischenstrafe wegen dreijährigen behördlichen Stillstands um 12 Monate; in OG AG SST.2023.145 reduzierte das Obergericht die Tatstrafe um 4 Monate; in OG BE SK 2022 67 führte die Verfahrensdauer zu einer Deckelung der Endstrafe auf 24 Monate bedingt trotz einer Einzelschaden-Einsatzstrafe von 35 Monaten; in OG ZH SB200018 neutralisierte eine 17-jährige Verfahrensdauer sämtliche Asperationszuschläge vollständig.
- Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO): Hat ausschliesslich die verurteilte Person Berufung eingelegt, ist das Berufungsgericht an die erstinstanzliche Strafe gebunden. In OG AG SST.2022.268 ergab die Addition aus Einsatzstrafe (33 Monate) und Falschbeurkundung (12 Monate) rechnerisch 45 Monate Freiheitsstrafe; das Gericht durfte wegen des Verschlechterungsverbots jedoch nicht über 36 Monate (teilbedingt) hinausgehen. In OG ZH SB210163 deckelte Art. 391 Abs. 2 StPO die rechnerische Tatstrafe von 20 Monaten auf 18 Monate bedingt.
- Trichterabgrenzung und Freisprüche: Nicht jede Pflichtverletzung begründet eine strafbare Pflichtenkollision. Im Recherchetrichter belegen publizierte Freisprüche die Grenzen der Tatbestandsmässigkeit: In BG ZH / OG ZH SB230570 sprach das Obergericht einen Willensvollstrecker frei, weil die ungleiche Ausrichtung von Erbvorschüssen vor Abschluss der Erbteilung keinen endgültigen Schaden darstellte; in BG Dietikon SB240509 erfolgte ein Freispruch bei COVID-19-Kreditbezügen bezüglich Art. 158 mangels Drittschädigung bei einer Einpersonen-AG; in Cour d’appel pénale VD PE22.014241 scheiterte die Verurteilung an unzureichend nachgewiesenen Mittelflüssen; in OG ZH SB240129 schloss eine konzerninterne Darlehensgewährung mangels Vermögensgefährdung den Tatbestand aus; in OG ZH SB210066 fehlte die Garantenstellung bei einem gewöhnlichen Austauschvertrag; in OG ZH SB210597 entlastete eine mutmassliche Einwilligung der Organe.
Grenzen: Der Korpus ist mehrheitlich deutschsprachig (43 von 47 Entscheiden), bezieht durch den Einbezug der Entscheiddatenbank von strafzumessung.ch jedoch auch rechtskräftige französisch- und italienischsprachige Präjudizien aus den Kantonen Waadt (PE19.020529, PE22.011103), Genf (P/788/2015) und Tessin (72.2013.3) ein. Kantonal verteilt sich der Bestand auf Zürich (26 Entscheide), Bern (4), Aargau (4), Basel-Stadt (3), Basel-Landschaft (2), Waadt (2), Genf (1), Tessin (1), Schwyz (1) und Graubünden (1). Publiziert werden überwiegend Berufungsurteile der kantonalen Obergerichte und Kantonsgerichte; erstinstanzliche Urteile (Bezirksgerichte) fliessen dort ein, wo sie im Berufungsverfahren detailliert wiedergegeben werden oder in der systematisierten Spezialdatenbank erfasst sind. Die Befunde beschreiben eine empirisch fundierte Tendenz in den ausgewerteten Entscheiden, nicht eine mathematisch repräsentative Gesamtstatistik.
A. Einordnung: Leitdelikt und Konkurrenzen im Wirtschaftsstrafrecht
N 1 Art. 158 StGB erfasst zwei selbständige Tatbestände mit unterschiedlicher Struktur und Strafandrohung:
- Treuebruch (Art. 158 Ziff. 1 StGB): Setzt eine qualifizierte Vermögensfürsorgepflicht (Garantenstellung) voraus. Der Grundtatbestand (Abs. 1) droht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe an. Handelt der Täter in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht (Abs. 3), galt bis zum 30.06.2023 ein Verbrechensstrafrahmen von einem bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe. Seit der Strafrahmenharmonisierung per 01.07.2023 droht das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe an — der zwingende Mindeststrafrahmen von einem Jahr ist entfallen (lex mitior).
- Missbrauch der Vertretungsmacht (Art. 158 Ziff. 2 StGB): Sanktioniert Personen, die ohne umfassende Treuepflicht ermächtigt sind, über fremdes Vermögen zu verfügen (z.B. Angestellte mit Kassen- oder Registriervollmacht), und diese Vollmacht missbrauchen. Die Strafdrohung beträgt Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe.
N 2 Konkurrenzverhältnis und Subsidiarität: Nach ständiger Rechtsprechung geht der Treuebruchtatbestand (Ziff. 1) dem Missbrauchstatbestand (Ziff. 2) als lex specialis vor, sobald der Täter eine echte Vermögensfürsorgepflicht innehat (KG BL 460 18 162 E. II/A/AB/b/bd). Ziff. 2 bildet einen Auffangtatbestand für Bevollmächtigte ohne umfassende Fürsorgepflicht, wie etwa Verkaufsangestellte, die Firmenterminals für private Sportwetten missbrauchen (AppG BS SB.2020.93).
N 3 Die Rolle von Art. 158 StGB bei der Einsatzstrafenbildung:
- Art. 158 StGB als Leitdelikt: Bildet die ungetreue Geschäftsbesorgung den materiellen Schwerpunkt der kriminellen Aktivität (z.B. systematische Retrozessionsabschöpfung bei Vermögensverwaltern, unberechtigte Entnahmen als Organwalter oder Verschiebung von Gesellschaftsaktiven), setzt das Gericht hierfür die Einsatzstrafe fest. Typische Begleitdelikte wie Urkundenfälschungen (Art. 251 StGB), Geldwäscherei (Art. 305bis StGB) oder Bestechungstatbestände (Art. 322octies StGB) werden gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB als Nebendelikte asperiert (BG Meilen / OG ZH SB240125; OG BE SK 2022 67; BG ZH / OG ZH SB190476; OG ZH SB240166; OG AG SST.2022.268).
- Art. 158 StGB als asperiertes Nebendelikt: Steht ein gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 2 StGB), eine qualifizierte Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) oder eine Misswirtschaft (Art. 165 StGB) im Vordergrund, trägt dieses Delikt die Einsatzstrafe. Art. 158 StGB wird dann mit einem bezifferten Asperationszuschlag aufgerechnet:
- In BG ZH / OG ZH SB170415 trug die qualifizierte Veruntreuung (CHF 1 Mio.) die Einsatzstrafe von 15 Monaten FS; für die mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung erfolgte ein Asperationszuschlag von +20 Monaten FS.
- In BG ZH / OG ZH SB170390 trug die Veruntreuung (CHF 9.3 Mio.) die Einsatzstrafe von 6 Jahren; die ungetreue Geschäftsbesorgung für riskante Silber-Termingeschäfte zog einen Zuschlag von +12 Monaten FS nach sich.
- In Strafgericht BS / AppG BS SB.2013.116 trug der gewerbsmässige Betrug (CHF 611'243.-) eine Einsatzstrafe von 30 Monaten; Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB wurde mit +6 Monaten FS asperiert.
- In BG Zofingen / OG AG SST.2022.278 trug die Veruntreuung (CHF 226'804.-) 12 Monate Einsatzstrafe; Art. 158 Abs. 3 StGB wurde mit +3 Monaten FS asperiert.
- In KG SZ STK 2024 11 trug der Betrug eine Einsatzstrafe von 30 Monaten; Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB wurde mit +3 Monaten FS asperiert (isolierte Einzelstrafe: 5 Monate).
- In OG AG SST.2023.45 zog die ungetreue Geschäftsbesorgung (Fr. 95'000.– Schaden) einen Asperationszuschlag von +6 Monaten FS auf das Betrugs-Leitdelikt nach sich.
- In KG BL 460 18 162 bildete die Misswirtschaft (Fr. 400'000.– Schaden) mit 9 Monaten die Einsatzstrafe; die qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Fr. 55'000.–) wurde mit +7 Monaten FS, die einfache Geschäftsbesorgung mit +3 Monaten FS asperiert.
B. Die strafzumessungsrelevanten Tatmerkmale
I. Deliktssumme und Schadenshöhe
N 4 Die Höhe des eingetretenen oder unmittelbar drohenden Vermögensschadens bildet den primären objektiven Massstab für die Strafschwere. Die Gerichte stützen sich zunehmend auf empirische Bemessungsmodelle, insbesondere auf die Studie von Tanja Graber (Universität Luzern) zur Sanktionierung von Wirtschaftskriminalität, die in OG BE SK 2022 67 E. 16.1.1 ausdrücklich als Orientierung herangezogen wurde. Die Praxis spannt sich über ein enormes Spektrum von CHF 2'674.- bis über USD 35.8 Mio.:
- Kleinschäden (unter CHF 30'000.–): Bewegen sich im reinen Geldstrafenbereich (z.B. abredewidrige Überweisungen von Fr. 2'674.– = 80 Tagessätze Einsatzstrafe in BG Pfäffikon / OG ZH SB180513; Privatkosten von Fr. 9'012.– = 180 TS in BG Winterthur / OG ZH SB200012; Tankkartenbezüge von Fr. 9'200.– = 80 TS nach Geständnis in OG ZH SB200075; verheimlichte Lohnpfändung Fr. 17'575.– = 240 TS in BG ZH / OG ZH SB110525; umgeleitete Kundengelder Fr. 19'038.– = 150 TS in BG Winterthur / OG ZH SB150134).
- Mittlere Schadenssummen (CHF 50'000.– bis CHF 300'000.–): Begründen Einsatzstrafen von 150 bis 270 Tagessätzen Geldstrafe oder 10 bis 16 Monaten Freiheitsstrafe:
- In TP Genève P/788/2015 führten Fr. 75'000.– Schaden zu 150 TS Geldstrafe;
- In BG Winterthur / OG ZH SB150164 führten Fr. 90'000.– Nachlassschaden zu 10 Monaten FS unbedingt (Vorstrafen);
- In TP Broye / CAPE VD PE22.011103 und BG ZH / OG ZH SB140292 führten je CHF 100'000.– entzogenes Gründungskapital zu 150 TS GS bzw. 15 Monaten FS;
- In OG ZH SB240166 führten Fr. 118'000.– zu 50 TS Einsatzstrafe;
- In BG ZH / OG ZH SB110254 führten Fr. 120'000.– zu 270 TS GS bedingt;
- In BG Bülach / OG ZH SB160422 führten Fr. 139'000.– zu 16 Monaten FS;
- In BG ZH / OG ZH SB180264 führten Fr. 169'062.– zu 15 Monaten Einsatzstrafe (34 Mt. Gesamtstrafe bei Vorstrafen);
- In BG ZH / OG ZH SB150207 führten Fr. 286'158.– zu 14 Monaten FS.
- Grosse Schäden (CHF 300'000.– bis CHF 1'500'000.–): Führen zu Einsatzstrafen von 14 bis 35 Monaten Freiheitsstrafe:
- In OG BE SK 2021 62: CHF 317'580.– = 14 Mt. FS;
- In BG ZH / OG ZH SB210335: CHF 517'692.– = 16 Mt. FS Einsatzstrafe (20 Mt. Gesamtstrafe);
- In TC Lausanne / CAPE VD PE19.020529: CHF 571'000.– = 15 Mt. FS;
- In OG BE SK 2022 67: CHF 634'000.– Einzelschaden = 35 Mt. FS;
- In OG ZH SB230383: CHF 690'000.– = 18 Mt. FS;
- In BG ZH / OG ZH SB230347: CHF 698'752.– = 24 Mt. FS;
- In TPC Ticino 72.2013.3: CHF 1'118'454.– = 24 Mt. FS;
- In BG ZH / OG ZH SB190476: CHF 1'232'296.– = 54 Mt. FS;
- In BG ZH / OG ZH SB110042: CHF 1'463'532.– = 24 Mt. FS.
- Millionenschäden im zweistelligen Bereich (> CHF 2'000'000.–):
- In BG ZH / OG ZH SB110028 führten USD 2.9 Mio. Gehilfenschaft beim Front-Running zu 36 Monaten FS (teilbedingt);
- In BG ZH / OG ZH SB180182 führten EUR 3 Mio. ungesicherte Überweisung zu 22 Monaten FS bedingt;
- In BG Meilen / OG ZH SB240125 bildete die Verschiebung von USD 35.8 Mio. Gesellschaftsvermögen die Spitzen-Einsatzstrafe von 42 Monaten FS beim Obergericht (vorinstanzlich 50 Monate FS; Endstrafe 36 Monate teilbedingt nach 12 Monaten Beschleunigungsrabatt). Fehlt jedoch eine persönliche Bereicherung und handelt der Treuhänder aus rein naivem Pflichtversäumnis, kann die Strafe selbst bei Fr. 1.5 Mio. Schaden auf 210 Tagessätze Geldstrafe begrenzt werden (AppG BS SB.2015.62).
II. Intensität der Vertrauensstellung und Organstellung
N 5 Die dogmatische Schwere der Tat korreliert direkt mit dem Grad des missbrauchten Vertrauens:
- Berufsgeheimnisträger, Rechtsanwälte und Liquidatoren: Wer als Organ der Rechtspflege oder amtlicher Liquidator mit der Abwicklung von Gesellschaftsvermögen betraut ist, geniesst das höchste institutionelle Vertrauen. Ein Treuebruch wiegt hier ausserordentlich schwer: In BG Meilen / OG ZH SB240125 hob das Obergericht Zürich hervor, dass der Beschuldigte seine Doppelrolle als Rechtsanwalt und amtlicher Liquidator gezielt zur Gläubigerschädigung missbrauchte (Einsatzstrafe 42 Monate FS). Ebenso in BG ZH / OG ZH SB140292, wo ein Anwalt anvertrautes Gründungskapital veruntreute (15 Monate FS).
- Berufs- und Standesvertrauen (Treuhänder, Vermögensverwalter, Revisoren, Willensvollstrecker): Wer berufsmässig fremde Gelder verwaltet, unterliegt einer gesteigerten Sorgfaltspflicht. In OG BE SK 2022 67 E. 16.1.2, BG ZH / OG ZH SB150207 und KG BL 460 18 162 werteten die Gerichte das Enttäuschen des Berufsvertrauens als massives Tatverschulden. Dasselbe gilt für Willensvollstrecker, die Nachlässe schädigen (BG Winterthur / OG ZH SB150164).
- Alleiniger Organwalter (Einmann-Gesellschaften): Konzentriert der Täter die gesamte Geschäftsführungs- und Vertretungsmacht auf sich, schärft das Fehlen eines Kontrollorgans das Verschulden bezüglich der Gläubigerinteressen (BG ZH / OG ZH SB190476; TPC Ticino 72.2013.3; OG BE SK 2023 120; OG AG SST.2022.268).
III. Typische Begehungsformen in der Praxis
N 6 Die Auswertung der Urteile zeigt spezifische Typologien:
- Retrozessionen und Kick-backs: Systematische Vereinnahmung von Rückvergütungen unter Verletzung der obligationenrechtlichen Herausgabepflicht (Art. 400 Abs. 1 OR). Bei 54 Kunden begründete das Berner Obergericht eine Einsatzstrafe von 35 Monaten (OG BE SK 2022 67); bei einem Grossbank-Direktor verhängte das Obergericht Zürich 24 Monate FS (BG ZH / OG ZH SB110042); fiktive Rechnungen mit Kick-backs zogen 50 TS Einsatzstrafe nach sich (OG ZH SB240166).
- Eigenmächtige Hochrisiko-Anlagen und Churning: Abweichen von vereinbarten Anlagestrategien zwecks Spekulation oder Gebührenschöpfung. Options- und Termingeschäfte führten zu 14 Monaten FS (BG ZH / OG ZH SB150207); exzessive Umschichtungen (Churning) zu 16 Monaten FS (OG ZH SB200018); Front-Running zu 36 Monaten FS (BG ZH / OG ZH SB110028).
- Scheinliberierungen und Entzug des Stamm-/Aktienkapitals: Gründung von Gesellschaften mit sofortigem Wiederabzug des einbezahlten Kapitals zur privaten Verwendung oder Gründung weiterer Strohmanngesellschaften (TP Broye PE22.011103: 150 TS GS; BG ZH / OG ZH SB140292: 15 Mt. FS; BG ZH / OG ZH SB210335: 16 Mt. FS Einsatzstrafe; OG BE SK 2023 120: 45 Strafeinheiten).
- Kontokorrent- und Barbezüge zur privaten Lebensführung: Entnahme von Gesellschaftsmitteln ohne Bonität oder Rückzahlungswillen (OG AG SST.2023.145: 12 Mt. FS; TC Lausanne PE19.020529: 15 Mt. FS; BG ZH / OG ZH SB230347: 24 Mt. FS; TPC Ticino 72.2013.3: 24 Mt. FS).
- Firmenbestattungen und Substrataushöhlung: Gezielter Entzug von Vermögenswerten maroder Gesellschaften kurz vor dem Konkurs zwecks Gläubigervereitelung (BG Meilen / OG ZH SB240125: 42 Mt. FS Einsatzstrafe; OG ZH SB230383: 18 bzw. 20 Mt. FS; BG ZH / OG ZH SB190476: 54 Mt. FS; OG ZH SB200466: 9.5 Mt. FS).
IV. Das Verbot der Doppelverwertung deliktsimmanenter Merkmale
N 7 Die Gerichte betonen strikt, dass Tatbestandsmerkmale nicht verschuldenserhöhend herangezogen werden dürfen (Doppelverwertungsverbot nach Art. 47 StGB):
- Pekuniäre Bereicherungsabsicht: Das Streben nach finanziellem Vorteil ist bei Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB und Ziff. 2 StGB tatbestandsimmanent. Es darf nicht per se als strafschärfender Beweggrund gewertet werden (BG Pfäffikon / OG ZH SB180513: «vorsätzliches Handeln und egoistische finanzielle Motive sind tatbestandsimmanent neutral»; OG BE SK 2022 67 E. 16.1.2; OG BE SK 2021 254 E. 33). Strafschärfend wirkt ausschliesslich eine besondere Verwerflichkeit (z.B. Finanzierung von Casinobesuchen bei drohendem Konkurs in TPC Ticino 72.2013.3).
- Direktvorsatz: Dass der Täter mit Wissen und Willen handelte, erfüllt lediglich das subjektive Tatbestandsmerkmal und rechtfertigt für sich allein keine Straferhöhung (KG BL 460 18 162 E. II/E/EC/a/ab; BG Pfäffikon / OG ZH SB180513).
C. Asperation und Deckungsgleichheit
N 8 Werden mehrere Handlungen der ungetreuen Geschäftsbesorgung oder Begleitdelikte gleichzeitig beurteilt, gilt das Asperationsprinzip nach Art. 49 Abs. 1 StGB. In der Gerichtspraxis existieren gefestigte Berechnungsmodelle:
- Die Berner Zweidrittel-Regel (OG BE): Das Berner Obergericht berechnet den Asperationszuschlag für gleichartige Nebendelikte standardmässig, indem die hypothetische Einzelstrafe um ein Drittel gekürzt und zu zwei Dritteln auf die Einsatzstrafe aufgeschlagen wird (OG BE SK 2023 120 E. 16.3: Bei einer isolierten Einzelstrafe von 45 Strafeinheiten für Art. 158 betrug der Asperationszuschlag genau +30 Strafeinheiten). Bei enger Verknüpfung greift eine hälftige Asperation (OG BE SK 2021 254: 12 Monate Einzelstrafe führten zu +6 Monaten Zuschlag).
- Die Zürcher lineare Jahres-Asperation (OG ZH): Bei fortgesetzten Vermögensentnahmen über viele Jahre (z.B. unberechtigte Bonuszahlungen) bestimmt das Zürcher Obergericht die Einsatzstrafe am schwersten Einzeltatjahr und schlägt für jedes weitere Deliktsjahr einen festen linearen Betrag auf (OG ZH SB210163 E. 4.2: Einsatzstrafe für das schwerste Jahr 4 Monate FS, für die 8 Folgejahre je +2 Monate FS = +16 Monate FS, Tatstrafe 20 Monate FS).
- Die Bündner und Baselbieter Tagessatzstaffeln bei Serien (KG GR / KG BL): Werden Vermögensdelikte in hoher Zahl begangen, wenden die Gerichte fallwertabhängige Staffeln an:
- In KG GR SK1 2020 31 E. 4.3 asperierte das Kantonsgericht Graubünden Fälle unter CHF 10'000.– mit pauschal je +6 Tagessätzen, Fälle zwischen CHF 10'000.– und CHF 50'000.– mit je +10 Tagessätzen Geldstrafe.
- In KG BL 460 2021 147 E. 5.3 wurden fünf versuchte Taten mit einer festen Tagessatzstaffel von +6, +8, +10, +15 und +3 Tagessätzen Geldstrafe asperiert.
N 9 Deckungsgleichheit mit Urkundenfälschung und Begleitdelikten: Dienten gefälschte Rechnungen, fingierte Protokolle oder Buchungsmanipulationen ausschliesslich der Durchführung oder Verschleierung der ungetreuen Geschäftsbesorgung, flacht der Asperationszuschlag massiv ab (Deckungsgleichheit). Die Gerichte schlagen regelmässig nur rund 40 bis 50 % der hypothetischen Einzelstrafe auf die Haupteinsatzstrafe auf (BG Meilen / OG ZH SB240125: Urkundenfälschung mit +4 Mt. bei 42 Mt. Einsatzstrafe; OG AG SST.2022.268: Falschbeurkundung +12 Mt. bei 33 Mt. Einsatzstrafe; BG ZH / OG ZH SB210335: Geldwäscherei +3 Mt. bei 16 Mt. Einsatzstrafe).
D. Strafzumessungserhebliche Tatsachen
N 10 Aus den 47 im Volltext ausgewerteten Entscheiden kristallisiert sich ein klares Raster von Sachverhaltsmerkmalen heraus, welche die Gerichte mit bezifferter Wirkung heranziehen:
I. Straferhöhende Sachverhaltsmerkmale
N 11 Qualifizierte Vertrauens- und Berufsstellung: Wer als Organ der Rechtspflege (Rechtsanwalt, Notar), amtlicher Liquidator oder behördlich eingesetzter Willensvollstrecker tätig ist, unterliegt der höchsten Treuepflicht. Die Verletzung dieser Stellung wiegt unverhältnismässig schwerer als ein gewöhnlicher kaufmännischer Pflichtverstoss:
- In BG Meilen / OG ZH SB240125 bildete die Stellung als Rechtsanwalt und Liquidator den Kern der Tatschwere für eine Einsatzstrafe von 42 Monaten FS;
- In BG ZH / OG ZH SB140292 führte der Entzug von Gründungskapital durch einen Anwalt zu 15 Monaten FS bedingt bei Fr. 100'000.– Schaden;
- In BG Winterthur / OG ZH SB150164 begründete das Enttäuschen des Nachlassvertrauens als Willensvollstrecker eine unbedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten.
N 12 Ausgeprägte kriminelle Energie und Verschleierung: Wer pflichtwidrige Vermögensverschiebungen durch Scheinverträge, rückdatierte Saldovereinbarungen oder Strohmanngesellschaften absichert, steigert sein Tatverschulden erheblich:
- In BG ZH / OG ZH SB190476 zog das professionelle Aufsetzen von Firmenvehikeln und Scheinbeschlüssen eine Gesamtstrafe von 54 Monaten FS unbedingt nach sich;
- In BG ZH / OG ZH SB210335 erhöhte der gezielte Einsatz eines ahnungslosen Strohmanns das Verschulden des Drahtziehers auf 16 Monate Einsatzstrafe (20 Monate Gesamtstrafe);
- In TC Lausanne / CAPE VD PE19.020529 schärften Scheinbuchungen zur Verschleierung von Fr. 571'000.– Barbezügen das Tatverschulden auf 15 Monate FS.
N 13 Schädigung schutzbedürftiger natürlicher Personen / Privatanleger: Das Treffen von Privatpersonen, Erben oder Kleinanlegern, die ihre Ersparnisse verlieren, stufen die Gerichte deutlich strenger ein als reine Gläubigerschädigungen juristischer Personen (BG ZH / OG ZH SB150207; OG BE SK 2022 67).
II. Strafmindernde Sachverhaltsmerkmale
N 14 Untergeordnete Tatbeteiligung / Gehilfenschaft (Art. 25 StGB): Wer nicht als wirtschaftlicher Nutzniesser agiert, sondern als Gehilfe fungiert (z.B. Zurverfügungstellung von Konten für Wertpapiertransaktionen), profitiert von einer obligatorischen Milderung: In BG ZH / OG ZH SB110028 wurde die Strafe trotz USD 2.9 Mio. Schaden wegen Gehilfenschaft auf 36 Monate (davon 18 Monate bedingt) begrenzt.
N 15 Altruistisches Handeln / Fehlende eigene Bereicherung: Handelt der Täter aus falsch verstandener Loyalität, Freundschaft oder Naivität, ohne selbst einen finanziellen Vorteil zu ziehen, drückt dies die Einsatzstrafe selbst bei Millionenschäden drastisch: In AppG BS SB.2015.62 verhängte das Gericht bei Fr. 1.5 Mio. Schaden lediglich 210 Tagessätze Geldstrafe; in TP Broye / CAPE VD PE22.011103 führte das Handeln zugunsten des Vaters zu 150 Tagessätzen Geldstrafe.
N 16 Tätige Reue und Schadenswiedergutmachung (Art. 48 lit. d / Art. 53 StGB): Die freiwillige Rückführung der entzogenen Vermögenswerte vor Eröffnung des Hauptverfahrens wirkt im Wirtschaftsstrafrecht stark strafmindernd (KG BL 460 18 162 E. II/E/ED/c). Erfolgt die Rückzahlung erst unter Vollstreckungsdruck, entfällt die Milderungswirkung.
E. Was in der Praxis nicht strafzumessungserheblich ist
N 17 Aus den Urteilsbegründungen lassen sich typische Verteidigungsargumente herausarbeiten, die von den Gerichten regelmässig verworfen werden:
- Einpersonen-Gesellschaft / «Ich habe nur mein eigenes Geld geschädigt»: Organe von Einpersonen-Aktiengesellschaften argumentieren häufig, da ihnen alle Aktien gehörten, hätten sie niemanden geschädigt. Die Gerichte verwerfen dies einhellig: Das Gesellschaftsvermögen ist rechtlich strikt vom Privatvermögen des Aktionärs getrennt. Bereits die Gefährdung des gebundenen Grund- und Reservekapitals begründet den Vermögensschaden nach Art. 158 StGB (OG BE SK 2023 120 E. 10.3; TPC Ticino 72.2013.3).
- Gutgläubigkeit oder mangelnde Kontrolle des Treugebers: Dass der Treugeber Kontrollen unterliess, Abrechnungen ungeprüft abzeichnete oder dem Täter blind vertraute, entlastet den Treuhänder nicht; es begründet kein anrechenbares Opfermitverschulden (OG BE SK 2022 67 E. 16.1.2; BG ZH / OG ZH SB150207).
- Wirtschaftliche Notlage und geschäftlicher Druck: Die Behauptung, man habe Firmengelder zur Rettung des Geschäfts oder zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen abgezogen, erkennen die Gerichte nicht an; wirtschaftliche Risiken gehören zum allgemeinen Betriebsrisiko und rechtfertigen keine Straftaten (OG ZH SB210163; TC Lausanne PE19.020529).
- Vorstrafenlosigkeit: Das Fehlen von Vorstrafen ist der gesetzliche Normalzustand und wirkt rein strafzumessungsneutral (OG BE SK 2023 120; OG ZH SB240166).
- Reine Bereicherungsabsicht: Das Streben nach finanzieller Bereicherung ist bei Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB tatbestandsimmanent und darf nicht straferhöhend gewertet werden (BG Pfäffikon / OG ZH SB180513).
Achtung: geändertes Recht —
- Revision per 01.07.2023: Aufhebung der 1-jährigen Mindeststrafe bei Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB (Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe). Nach Art. 2 Abs. 2 StGB zwingend als lex mitior anzuwenden (OG AG SST.2023.145).
- Alte Geldstrafen bis 360 Tagessätze: Für Taten vor dem 01.01.2018 galt nach aArt. 34 aStGB eine Obergrenze von 360 Tagessätzen. Werte von 210 bis 270 TS in älteren Entscheiden (BG ZH / OG ZH SB110254; AppG BS SB.2015.62) sind nach heutigem Recht (Höchstmass 180 TS) nicht mehr als Geldstrafe aussprechbar.
F. Täterkomponente
N 18 Vorstrafen und Legalprognose: Einschlägige Vorstrafen wegen Vermögensdelikten führen bei Art. 158 StGB zwingend zur Wahl der Freiheitsstrafe und schliessen eine günstige Legalprognose für den bedingten Vollzug praktisch aus:
- In BG Winterthur / OG ZH SB150164 führte eine Vorstrafe zu 10 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt bei Fr. 90'000.– Schaden;
- In BG ZH / OG ZH SB180264 bewirkte eine einschlägige Vorstrafe aus Deutschland eine Verschärfung auf 27 Monate (Vorinstanz) bzw. 34 Monate FS unbedingt (OG ZH);
- In BG ZH / OG ZH SB190476 schloss eine einschlägige Vorstrafe wegen Art. 158 den bedingten Vollzug aus (54 Monate FS unbedingt).
N 19 Verletzung des Beschleunigungsgebots (Art. 5 Abs. 1 StPO): Wirtschaftsstrafverfahren zeichnen sich durch komplexe Buchhaltungsexpertisen und mehrjährige behördliche Liegezeiten aus. Die Kompensation erfolgt über bezifferte Strafabzüge:
- In BG Meilen / OG ZH SB240125 reduzierte das Obergericht Zürich die Strafe wegen eines dreijährigen Stillstands der Untersuchung um 12 Monate Freiheitsstrafe;
- In OG AG SST.2023.145 gewährte das Obergericht Aargau einen Abzug von 4 Monaten Freiheitsstrafe;
- In KG BL 460 18 162 wurde die Gesamtstrafe von 20 auf 10 Monate halbiert;
- In OG ZH SB200018 kompensierte eine 17-jährige Verfahrensdauer sämtliche Asperationszuschläge und Vorstrafenerhöhungen vollständig.
N 20 Langer Zeitablauf (Art. 48 lit. e StGB) und fortgeschrittenes Alter: Sind seit der Tat mehr als zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen und hat sich der Täter wohlverhalten, mildern die Gerichte die Strafe verbindlich: In BG Meilen / OG ZH SB240125 gewährte das Gericht einen Abzug von 4 Monaten für Zeitablauf und 6 Monaten für fortgeschrittenes Alter (76 Jahre); in OG BE SK 2021 62 reduzierte sich die Strafe von 14 auf 12 Monate FS.
N 21 Geständnis und Mitwirkung: Ein frühes, umfassendes Geständnis, das aufwändige Buchhaltungsanalysen erspart, wird mit Reduktionen von 20 bis 33 % honoriert: In OG ZH SB200075 wurde die Einzelstrafe von 120 auf 80 Tagessätze gesenkt; in BG ZH / OG ZH SB170415 führte die Mitwirkung bei der Schadensaufdeckung zu einer Reduktion von 39 auf 33 Monate FS.
G. Deliktssumme und Strafmass: die Streubreite
N 22 Die folgende Tabelle stellt die Deliktssumme und die jeweilige Einzel- bzw. Einsatzstrafe über den gesamten ausgewerteten Korpus hinweg aufsteigend gegenüber.
Tabelle: Deliktssumme und verhängte Einsatz-/Einzelstrafe bei Art. 158 StGB
| Schadenssumme | Entscheid | Qualifikation | Einzel-/Einsatzstrafe | Sachverhalt / Tatkonstellation |
|---|---|---|---|---|
| CHF 2'674.– | BG Pfäffikon / OG ZH SB180513 | Abs. 1 & 3 | 80 TS Geldstrafe | Abredewidrige Überweisungen von Firmenkonten |
| CHF 9'012.– | BG Winterthur / OG ZH SB200012 | Abs. 1 | 180 TS Geldstrafe | Private Fahrzeugkosten über Immobilien AG bezahlt |
| CHF 9'200.– | OG ZH SB200075 | Abs. 1 | 80 TS Geldstrafe | Zweckwidrige Tankkartenbezüge nach Geständnisrabatt |
| CHF 14'000.– | KG BL 460 18 162 | Abs. 1 | 3 Monate FS | Schädigung einer Gesellschaft (isoliert) |
| CHF 17'575.– | BG ZH / OG ZH SB110525 | Abs. 1 & 3 | 240 TS Geldstrafe | Eigenmächtige Privatbezüge unter Lohnpfändung |
| CHF 19'038.– | BG Winterthur / OG ZH SB150134 | Abs. 1 & 3 | 150 TS Geldstrafe | Umleitung von Kundenzahlungen auf Depositenkonto |
| CHF 55'000.– | KG BL 460 18 162 | Abs. 1 & 3 | 7 Monate FS | Ungetreue Geschäftsbesorgung zum Nachteil der F. AG |
| CHF 66'000.– | OG ZH SB210463 | Abs. 1 & 3 | 8 Monate FS bzw. 240 TS | Egoistische Bereicherung zu Lasten Treugeber |
| CHF 70'000.– | OG ZH SB200466 | Abs. 1 | 9.5 Monate FS | Darlehensumleitung zwecks Gläubigerschädigung |
| CHF 75'000.– | TP Genève / CPAR GE P/788/2015 | Abs. 1 | 150 TS Geldstrafe | Heimliche Einbehaltung einer Einsprache-Abfindung |
| CHF 90'000.– | BG Winterthur / OG ZH SB150164 | Abs. 1 & 3 | 10 Monate FS | Unberechtigte Honorarbezüge aus Nachlass |
| CHF 95'000.– | OG AG SST.2023.45 | Abs. 1 & 3 | 8 Monate FS | Kontokorrentüberzüge (isoliertes Nebendelikt) |
| CHF 98'197.– | BG ZH / OG ZH SB230570 | Abs. 1 | 180 TS Geldstrafe | Ungleiche Erbvorschüsse (OG ZH Freispruch) |
| CHF 100'000.– | OG BE SK 2023 120 | Abs. 1 | 45 Strafeinheiten / TS | Entzug des Stammkapitals einer Einpersonen-AG |
| CHF 100'000.– | TP Broye PE22.011103 | Abs. 3 | 150 TS Geldstrafe | Scheinliberierung einer Baugesellschaft |
| CHF 100'000.– | BG ZH / OG ZH SB140292 | Abs. 1 & 3 | 15 Monate FS | Rechtsanwalt entzieht Mandanten-Gründungskapital |
| CHF 118'000.– | OG ZH SB240166 | Abs. 1 & 3 | 50 TS Geldstrafe | Fiktive Rechnungen und Kick-backs bei Bauaufträgen |
| CHF 120'000.– | BG ZH / OG ZH SB110254 | Abs. 1 & 3 | 270 TS Geldstrafe | Bilanzmanipulation und Mittelverschiebung zweier AGs |
| CHF 138'000.– | OG AG SST.2023.145 | Abs. 3 (lex mitior) | 12 Monate FS | Kontokorrent- und Barbezüge (Einzeltat Fr. 28'090.–) |
| CHF 139'000.– | BG Bülach / OG ZH SB160422 | Abs. 1 & 3 | 16 Monate FS | Umleitung von Anlegergeldern an eigene Firmen |
| CHF 141'083.– | OG ZH SB200018 | Abs. 1 & 3 | 16 Monate FS | Churning / übermässige Depotumschichtungen |
| CHF 169'062.– | BG ZH / OG ZH SB180264 | Abs. 1 & 3 | 15 Monate FS | Mittelentnahmen und Bilanzverschleierung |
| CHF 180'000.– | AppG BS SB.2020.93 | Ziff. 2 | 18 Monate FS | Missbrauch von Wett- und Lotterieterminals |
| CHF 208'000.– | OG BE SK 2021 254 | Abs. 1 & 3 | 12 Monate FS | Mittelentzug zur Schuldendeckung (isoliert) |
| CHF 211'000.– | KG SZ STK 2024 11 | Abs. 1 & 3 | 5 Monate FS | Ungetreue Geschäftsführung (Nebendelikt zu Betrug) |
| CHF 226'804.– | BG Zofingen SST.2022.278 | Abs. 3 | 12 Monate FS | Veruntreuung und Art. 158 im Nebendossier |
| CHF 239'729.– | OG ZH SB210163 | Abs. 1 & 3 | 4 Monate FS | Unberechtigte Lohnbezüge (schwerstes Einzeljahr) |
| CHF 286'158.– | BG ZH / OG ZH SB150207 | Abs. 1 | 14 Monate FS | Hochriskante Optionen/Futures entgegen Vereinbarung |
| CHF 317'580.– | OG BE SK 2021 62 | Abs. 1 & 3 | 14 Monate FS | Eigenentnahmen und zweckwidrige Verwendung |
| CHF 450'000.– | OG AG SST.2022.268 | Abs. 3 | 33 Monate FS | Zahlungen ohne Gegenleistung als geschäftsführendes Organ |
| CHF 517'692.– | BG ZH / OG ZH SB210335 | Abs. 1 & 3 | 16 Monate FS | Strohmann-Gründung und Entzug des Aktienkapitals |
| CHF 571'000.– | TC Lausanne PE19.020529 | Abs. 1 & 3 | 15 Monate FS | Barbezüge von Firmenkonten über Scheinbuchungen |
| CHF 611'243.– | Strafgericht BS SB.2013.116 | Abs. 3 | 30 Monate FS | Abzweigung von Sprachschulgeldern (isoliert) |
| CHF 634'000.– | OG BE SK 2022 67 | Abs. 1 & 3 | 35 Monate FS | Retrozessionen Einzelfall (Gesamtschaden Fr. 1.96 Mio.) |
| CHF 690'000.– | OG ZH SB230383 | Abs. 1 & 3 | 18 Monate FS | Firmenbestattung (Dossiers 8 & 11) |
| CHF 698'752.– | BG ZH / OG ZH SB230347 | Abs. 1 & 3 | 24 Monate FS | Systematische Privatbezüge über 6 Jahre |
| CHF 1'000'000.– | BG ZH / OG ZH SB170415 | Abs. 1 & 3 | 15 Monate FS | Veruntreuung HD; Art. 158 als Nebendelikt |
| CHF 1'118'454.– | TPC Ticino 72.2013.3 | Abs. 1 & 3 | 24 Monate FS | Barbezüge des Allein-VR für Casinobesuche |
| CHF 1'232'296.– | BG ZH / OG ZH SB190476 | Abs. 1 & 3 | 54 Monate FS | Organpflichtverletzungen und Bilanzfälschungen |
| CHF 1'463'532.– | BG ZH / OG ZH SB110042 | Abs. 1 & 3 | 24 Monate FS | Private Banking Retrozessionen über Offshore |
| CHF 1'500'000.– | AppG BS SB.2015.62 | Abs. 1 & 3 | 210 TS Geldstrafe | Naives Gewährenlassen ohne eigene Bereicherung |
| USD 2.9 Mio. | BG ZH / OG ZH SB110028 | Abs. 1 & 3 | 36 Monate FS | Gehilfe Front-Running Börsenspekulation |
| EUR 3.0 Mio. | BG ZH / OG ZH SB180182 | Abs. 1 & 3 | 22 Monate FS | Ungesicherte Zahlung ohne Gegenleistung |
| CHF 9.3 Mio. | BG ZH / OG ZH SB170390 | Abs. 1 | 6 Jahre FS | Veruntreuung HD; Art. 158 für Silbergeschäfte |
| USD 35.8 Mio. | BG Meilen / OG ZH SB240125 | Abs. 1 & 3 | 42 Monate FS | Verschiebung von Aktiven zur Gläubigervereitelung |
N 23 Erkennbare Linie und Ausreisser: Die empirische Praxis zeigt eine erkennbare Progression: Schäden unter CHF 30'000.– bleiben im Geldstrafenbereich; mittlere Schäden (CHF 50'000.– bis 300'000.–) begründen 10 bis 16 Monate Freiheitsstrafe; Schäden von CHF 500'000.– bis 1.5 Millionen führen typischerweise zu 18 bis 35 Monaten Freiheitsstrafe. Nach oben markieren BG Meilen / OG ZH SB240125 (42 Mt. Einsatzstrafe bei USD 35.8 Mio.) und BG ZH / OG ZH SB190476 (54 Mt. Einsatzstrafe bei CHF 1.23 Mio. infolge massiver Vorstrafen und Begleitdelinquenz) die oberen Eckpunkte. Markanter Ausreisser nach unten ist AppG BS SB.2015.62, wo das Fehlen jeglicher persönlicher Bereicherung und naives Vertrauen bei CHF 1.5 Mio. Schaden eine Beschränkung auf eine Geldstrafe ermöglichte.
H. Belegte Strafmasse
Einsatzstrafen und Asperationszuschläge sind getrennt auszuweisen: Die Einzelstrafe misst das Delikt für sich, der Zuschlag ist bereits um die Deckungsgleichheit mit dem Hauptdelikt gekürzt (N 9). Ein Vergleich über beide Gruppen hinweg ist unzulässig. Die Spalte Einzel-/Einsatzstrafe gibt wieder, was das Gericht für den Schuldspruch nach Art. 158 StGB als verschuldensangemessen bezeichnet; die Spalte Ausgesprochen nennt die Sanktion, die im Dispositiv desselben Urteils gegen dieselbe Person tatsächlich verhängt wurde — regelmässig eine Gesamt- oder Zusatzstrafe für mehrere Delikte. FS = Freiheitsstrafe, TS = Tagessätze Geldstrafe.
Tabelle 1: Art. 158 StGB als Einsatzstrafdelikt — gespiegelt am Dispositiv
| Entscheid & Datum | Norm & Qualifikation | Schadenssumme & Sachverhalt | Rolle & Tatschwere | Einzel-/Einsatzstrafe | Ausgesprochen (Dispositiv) | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| OG ZH SB240166 04.04.2025 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Fr. 118'000.–; fiktive Rechnungen & Kick-backs | Leitender Angestellter; leicht | 50 TS Geldstrafe | 80 TS Geldstrafe zu Fr. 90.– bedingt (Probezeit 2 J.) | Asperation Urkundenfälschung (+15 TS) und Bestechung (+15 TS) |
| BG Pfäffikon / OG ZH SB180513 20.07.2018 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Fr. 2'674.–; unberechtigte Überweisungen | Geschäftsführer; sehr leicht | 80 TS Geldstrafe | 210 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 3 J.) | Asperation weiterer Delikte; Bereicherung tatbestandsimmanent neutral |
| OG ZH SB200075 11.03.2021 | Art. 158 Ziff. 1 | Fr. 9'200.–; private Tankkartenbezüge | Geschäftsführer; leicht | 80 TS Geldstrafe (nach Geständnis) | 36 Monate FS teilbedingt (Gesamtstrafe mit Betrug) | Isolierte Einzelstrafe 120 TS; 33 % Geständnisrabatt |
| OG ZH SB200466 27.05.2021 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 | Fr. 70'000.–; Substratschmälerung vor Konkurs | Faktischer Geschäftsführer; nicht mehr leicht | 9.5 Monate FS | 10 Monate FS unbedingt | Asperation SVG-Delinquenz (+0.5 Mt. FS) |
| BG Winterthur / OG ZH SB150164 04.12.2014 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Fr. 90'000.–; Nachlassschädigung durch Scheinberatung | Willensvollstrecker; nicht mehr leicht | 10 Monate FS | 10 Monate FS unbedingt | Bedingter Vollzug wegen einschlägiger Vorstrafen ausgeschlossen |
| OG AG SST.2023.145 16.05.2024 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 (lex mitior) | Fr. 138'000.– Total; Kontokorrent- & Barbezüge | Gesellschafter-GF; mittelschwer im unteren Bereich | 12 Monate FS (Einzeltat Fr. 28'090.–) | 22 Monate FS bedingt + Busse Fr. 1'000.– | Asperation (+12 Mt.); Beschleunigungsgebot -4 Mt., Vorstrafen +2 Mt. |
| OG BE SK 2021 62 13.03.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 317'580.–; unberechtigte Eigenentnahmen | Organwalter; nicht mehr leicht | 14 Monate FS | 12 Monate FS bedingt (Ziff. 1.1) | Milderung wegen langen Zeitablaufs (Art. 48 lit. e StGB) |
| BG ZH / OG ZH SB150207 01.04.2015 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 | CHF 286'158.–; Abweichen von Anlagestrategie | Vermögensverwalter; nicht mehr leicht | 14 Monate FS | 14 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Hochriskante Optionen/Futures; Einzelstrafe |
| BG Winterthur / OG ZH SB150134 20.01.2015 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Fr. 19'038.–; Kundengeld-Umleitung | Geschäftsführer; leicht | 150 TS Geldstrafe | 150 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 J.) | Freispruch vom Betrugsvorwurf; Art. 158 als alleinige Sanktion |
| TP Broye / CAPE VD PE22.011103 23.03.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 | CHF 100'000.–; Scheinliberierung Bau-AG | Treuhänder; leicht | 150 TS Geldstrafe | 150 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 J.) | Sofortige Rücküberweisung an Vater; Handeln ohne Bereicherung |
| TP Genève / CPAR GE P/788/2015 19.06.2019 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 | CHF 75'000.–; Einbehaltung Einsprache-Abfindung | Beauftragte; leicht | 150 TS Geldstrafe | 150 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 3 J.) | Heimliche Abfindungsvereinbarung mit Baupromotor |
| BG ZH / OG ZH SB140292 22.05.2014 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 100'000.–; Entzug von Gründungskapital | Rechtsanwalt und Treuhänder; nicht mehr leicht | 15 Monate FS | 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Freispruch von Betrug; Mandantenvermögen zweckwidrig verwendet |
| BG ZH / OG ZH SB180264 21.03.2018 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 169'062.–; Entnahmen und Bilanzverschleierung | Alleinaktionär und GF; mittelschwer | 15 Monate FS (OG ZH; Vorinstanz 12 Mt.) | 27 Monate FS unbedingt (OG ZH: 34 Mt. FS) | Vorstrafenerhöhung wegen Vorstrafe Insolvenzdelikte |
| TC Lausanne / CAPE VD PE19.020529 12.03.2024 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 571'000.–; Barbezüge über Scheinbuchungen | Faktischer Prokurist; nicht mehr leicht | 15 Monate FS | 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Schutzbehauptung über angebliche Schwarzarbeiterlöhne verworfen |
| OG ZH SB200018 24.05.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Churning / übermässige Depotumschichtungen | Vermögensverwalter; nicht mehr leicht | 16 Monate FS | 16 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | 17-jährige Verfahrensdauer neutralisiert Asperationszuschläge |
| BG Bülach / OG ZH SB160422 18.09.2014 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 139'000.–; Weiterleitung an eigene Firmen | Geschäftsführer Vermögensverwaltung; nicht mehr leicht | 16 Monate FS | 16 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Schädigung mehrerer Anleger ohne Aufklärung |
| BG ZH / OG ZH SB210335 05.05.2021 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 517'692.–; Strohmann-AG Gründungskapital | Drahtzieher / Anstifter; nicht mehr leicht | 16 Monate FS (OG ZH für A.) | 14 Monate FS bedingt (Vorinstanz) / 20 Mt. FS unbedingt (OG) | Strohmann B. mit 180 TS GS bedingt sanktioniert |
| BG Winterthur / OG ZH SB200012 03.10.2019 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 | Fr. 9'012.–; Privatkosten über Immobilien AG | Geschäftsführer; leicht | 180 TS Geldstrafe | 180 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 J.) | Aston-Martin-Cover und Kfz-Versicherung über Firma bezahlt |
| AppG BS SB.2020.93 05.12.2023 | Art. 158 Ziff. 2 (Vertretungsmacht) | Fr. 180'000.–; Sportwetten- & Loseigenbezug | Verkäufer mit Terminalvollmacht; mittelschwer | 18 Monate FS | 24 Monate FS bedingt + 35 TS GS + Busse | Asperation Hehlerei (+1 Mt.), BetmG (+3.5 Mt.), Drohung (+1 Mt.) |
| OG ZH SB230383 26.04.2024 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 690'000.–; Firmenbestattung Aktivenentzug | Faktischer Organwalter; mittelschwer | 18 Monate FS (Dossiers 8/11) | 54 Monate FS unbedingt (teilweise Zusatzstrafe) | Weitere Dossiers 13–15 mit 20 Monaten FS Einsatzstrafe bemessen |
| AppG BS SB.2015.62 01.06.2016 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | Fr. 1'500'000.–; unkontrollierte Firmenüberlassung | VR-Präsident; objektiv schwer, subjektiv altruistisch | 210 TS Geldstrafe | 270 TS Geldstrafe zu CHF 100.– bedingt (Probezeit 2 J.) | Keine eigene Bereicherung; Zeitablauf von 8 Jahren mildernd |
| BG ZH / OG ZH SB180182 28.02.2018 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | EUR 3'000'000.–; ungesicherte Zahlung ohne Gegenleistung | VR-Präsident; mittelschwer | 22 Monate FS | 22 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Überweisung an Drittgesellschaft; Verjährung in Teilpunkten |
| TPC Ticino 72.2013.3 08.07.2014 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 1'118'454.–; Barbezüge für Casinobesuche | Allein-VR und Alleinaktionär; mittelschwer | 24 Monate FS | 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Konkurs herbeigeführt; betrügerischer Konkurs asperiert |
| BG ZH / OG ZH SB110042 17.06.2009 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 1'463'532.–; Retrozessionen über Offshore | Private-Banking-Direktor; mittelschwer | 24 Monate FS | 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Jahrelange verdeckte Retrozessionsabschöpfung |
| BG ZH / OG ZH SB230347 22.03.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 698'752.–; Privatbezüge über 6 Jahre | Gründer und Geschäftsführer; mittelschwer | 24 Monate FS | 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) | Hundertfache Entnahmen; Verjährung von Nebenpunkten |
| BG ZH / OG ZH SB110525 22.06.2011 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 17'575.–; Privatbezüge unter Lohnpfändung | Leitende Angestellte; leicht | 240 TS Geldstrafe | 240 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 J.) | aArt. 34 aStGB angewandt; Asperation Urkundenfälschung (+40 TS) |
| BG ZH / OG ZH SB110254 08.12.2010 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 120'000.–; Bilanzmanipulation zweier AGs | Verwaltungsrat zweier AGs; leicht bis mittel | 270 TS Geldstrafe | 270 TS Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 J.) | aArt. 34 aStGB angewandt; Asperation Gläubigerschädigung |
| OG AG SST.2022.268 11.04.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 | Zahlungen ohne Gegenleistung als Organwalter | Verwaltungsrat / Geschäftsführer; mittelschwer | 33 Monate FS | 36 Monate FS teilbedingt (12 Monate vollziehbar) | Rechnerische Tatstrafe 45 Mt.; Art. 391 Abs. 2 StPO deckelt |
| OG BE SK 2022 67 15.09.2023 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 1'960'038.– Gesamtschaden (54 Kunden) | Vermögensverwalter; Berufsvertrauen verletzt | 35 Monate FS (Einzelfall CHF 634k) | 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) + Ersatzforderung | Asperation 53 Kunden; Verfahrensdauer deckelt die Strafe |
| BG ZH / OG ZH SB110028 03.09.2010 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | USD 2.9 Mio.; Gehilfe Front-Running Börsenspekulation | Gehilfe / Kontoinhaber; mittelschwer | 36 Monate FS teilbedingt | 36 Monate FS, davon 18 Mt. vollziehbar, 18 Mt. bedingt | Milderung wegen Gehilfenschaft (Art. 25 StGB) |
| BG Meilen / OG ZH SB240125 03.03.2025 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | USD 35.8 Mio.; Verschiebung Aktiven vor Gläubigern | Rechtsanwalt und amtlicher Liquidator; schwer | 42 Monate FS (OG ZH; Vorinstanz 50 Mt.) | 36 Monate FS teilbedingt (18 Mt. vollziehbar, 18 Mt. bedingt) | Asperation +16 Mt. auf 58 Mt.; Abzüge: Beschleunigung -12 Mt., Alter -6 Mt. |
| BG ZH / OG ZH SB190476 26.06.2019 | Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 & 3 | CHF 1'232'296.–; Organpflichtverletzung & Konkurs | Mehrheitsaktionär & CEO; sehr schwer | 54 Monate FS unbedingt | 54 Monate FS teilbedingt (12 Mt. vollziehbar, 42 Mt. bedingt) | Höchster belegter Wert bei Art. 158 als Leitdelikt; Vorstrafen |
Tabelle 2: Art. 158 StGB als asperiertes Nebendelikt
| Entscheid & Datum | Asperiertes Delikt | Isolierte Einzelstrafe | Zuschlag auf Einsatzstrafe | Hauptdelikt & Leitstrafe | Ausgesprochen (Dispositiv) |
|---|---|---|---|---|---|
| KG BL 460 2021 147 10.05.2022 | Versuchte ungetreue Geschäftsbesorgung (5 Fälle) | Staffel: 5 Taten | Staffel von +3 bis +15 TS GS | Qualifizierte Veruntreuung (24 Monate FS) | 24 Monate FS bedingt + 150 TS GS bedingt |
| KG SZ STK 2024 11 23.09.2025 | Ungetreue Geschäftsbesorgung im Nebendossier | 5 Monate FS | +3 Monate FS | Gewerbsmässiger Betrug (30 Monate FS) | 42 Monate FS unbedingt + 15 TS GS |
| KG BL 460 18 162 20.11.2018 | Einfache ungetreue Geschäftsbesorgung (M.) | 3 Monate FS | +3 Monate FS | Misswirtschaft (9 Monate FS) | 10 Monate FS bedingt + Busse Fr. 450.– |
| BG Zofingen / OG AG SST.2022.278 21.09.2023 | Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Fr. 226k) | — | +3 Monate FS | Mehrfache Veruntreuung (12 Monate FS) | 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 J.) |
| OG BE SK 2023 120 05.06.2024 | Ungetreue Geschäftsbesorgung Einpersonen-AG | 45 Strafeinheiten | +30 Strafeinheiten / TS | Falschbeurkundung (50 Strafeinheiten) | 64 TS Geldstrafe bedingt + Busse CHF 5'600.– |
| OG BE SK 2021 254 03.11.2022 | Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung | 12 Monate FS | +6 Monate FS | Gewerbsmässiger Betrug | Freiheitsstrafe unbedingt (Gesamtstrafe) |
| OG AG SST.2023.45 08.01.2024 | Unberechtigte Privatbezüge über Kontokorrent | 8 Monate FS | +6 Monate FS | Gewerbsmässiger Betrug | 4 ½ Jahre FS unbedingt (inkl. Vorstrafen) |
| OG ZH SB190523 22.04.2021 | Eigenmächtiger Wertschriftenverkauf | 9 Monate FS | +6 Monate FS | Betrug Leitdelikt | 27 Monate FS, davon 9 Mt. vollziehbar |
| Strafgericht BS / AppG BS SB.2013.116 19.06.2015 | Mehrfache qualifizierte Geschäftsbesorgung | — | +6 Monate FS | Gewerbsmässiger Betrug (30 Monate FS) | 36 Monate FS teilbedingt (12 Mt. vollziehbar) |
| KG BL 460 18 162 20.11.2018 | Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (F. AG) | 7 Monate FS | +7 Monate FS | Misswirtschaft (9 Monate FS) | 10 Monate FS bedingt + Busse Fr. 450.– |
| KG GR SK1 2020 31 01.12.2022 | Serientaten Vermögensverwaltung | Staffel nach Betrag | je +6 bzw. +10 TS GS | Qualifizierte Veruntreuung (3 Jahre FS) | 3 Jahre FS unbedingt + 300 TS GS |
| BG ZH / OG ZH SB170390 20.07.2017 | Ungetreue Geschäftsbesorgung (Silbergeschäfte) | — | +12 Monate FS | Qualifizierte Veruntreuung (6 Jahre FS) | 48 Monate FS unbedingt |
| OG ZH SB210163 25.10.2021 | Fortgesetzte Tatserie über 8 Folgejahre | je 2 Monate FS | +16 Monate FS (+2 Mt./Jahr) | Unberechtigte Lohnbezüge (4 Monate FS) | 18 Monate FS bedingt (Kappung Art. 391 Abs. 2) |
| OG BE SK 2022 67 15.09.2023 | Retrozessionen bei weiteren 53 Kunden | — | +15 bis 20 Monate FS | Retrozessionen Hauptfall (35 Monate FS) | 24 Monate FS bedingt + Ersatzforderung |
| BG ZH / OG ZH SB170415 23.08.2017 | Mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung | — | +20 Monate FS | Mehrfache Veruntreuung (15 Monate FS) | 33 Monate FS teilbedingt (12 Mt. vollziehbar) |
Kontrolltabelle (BGE 136 IV 55 E. 5.7)
Die folgende Gegenüberstellung dient der Überprüfung im Sinne von BGE 136 IV 55 E. 5.7: Sie zeigt, welches Strafmass die ausgewertete Praxis einer bestimmten Verschuldensbezeichnung beimisst, und macht Abweichungen davon begründungsbedürftig.
| Benannter Verschuldensgrad | Belegte Spanne der Einsatzstrafe | Beobachtung & Vollzugsform |
|---|---|---|
| «sehr leicht» bis «leicht» | 50 bis 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. bis 10 Monate FS | Fast ausschliesslich bedingte Geldstrafe (Probezeit 2 Jahre), gelegentlich mit Verbindungsbusse (Art. 42 Abs. 4 StGB); Strafartwechsel zur Freiheitsstrafe nur bei einschlägigen Vorstrafen. |
| «nicht mehr leicht» bis «leicht bis mittelschwer» | 10 bis 16 Monate Freiheitsstrafe bzw. 180 bis 270 TS GS | Schwerpunkt im bedingten Freiheitsstrafenbereich; Geldstrafen über 180 TS nur altrechtlich (aArt. 34 aStGB). Bei Vorstrafen unbedingte kurze Freiheitsstrafen (z.B. SB150164 mit 10 Mt. FS unbedingt). |
| «mittelschwer» | 18 bis 24 Monate Freiheitsstrafe | Grenzbereich des bedingten Strafvollzugs (Art. 42 Abs. 1 StGB bis 24 Monate); bei Vorstrafen oder ungünstiger Prognose Übergang zur teilbedingten Strafe. |
| «mittelschwer bis schwer» / «schwer» | 24 bis 42 Monate Freiheitsstrafe | Typischer Bereich für teilbedingte Strafen (Art. 43 StGB bis 36 Monate) mit obligatorischem unbedingtem Strafteil von mindestens 6 Monaten oder vollständig unbedingter Vollzug bei fehlender Einsicht. |
| «sehr schwer» | 42 bis 54 Monate Freiheitsstrafe | Vollständig unbedingter Strafvollzug; markiert das obere Ende der Praxis für Art. 158 StGB als Leitdelikt (Spitzenwert 54 Monate FS in SB190476). |
N 24 Ungenutzter Teil des Strafrahmens: Der theoretische Strafrahmen von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB und Ziff. 2 StGB reicht bis zu 5 Jahren (60 Monaten) Freiheitsstrafe. In der publizierten Praxis bleibt der Bereich zwischen 54 und 60 Monaten als isolierte Einsatzstrafe für Art. 158 StGB vollständig leer. Strafen über 54 Monate werden in Wirtschaftsstrafverfahren ausschliesslich über die Asperation mehrerer schwerer Verbrechenstatbestände (insbesondere gewerbsmässiger Betrug nach Art. 146 Abs. 2 StGB oder qualifizierte Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) erreicht.
I. Orientierungsrahmen nach Verschuldensgraden (BGE 136 IV 55)
N 25 Aus den im Volltext analysierten 47 Urteilen kristallisiert sich für Art. 158 StGB folgendes Verschuldens- und Sanktionenraster heraus:
- Leichtes Tatverschulden (50 bis 180 Tagessätze Geldstrafe bzw. bis 10 Monate Freiheitsstrafe):
- Typische Konstellationen: Schadenssummen unter CHF 100'000.–; punktuelles Versagen bei Kontokorrentüberzügen ohne Fälschung; private Tankkartenbezüge (OG ZH SB200075); private Fahrzeugkosten (BG Winterthur / OG ZH SB200012); isolierter Entzug von Gründungskapital bei einer Einpersonen-AG ohne Gläubigerverlust (OG BE SK 2023 120; TP Broye PE22.011103); Kick-backs mit überschaubarer Schadensfolge (OG ZH SB240166).
- Vollzug: Regelmässig bedingte Geldstrafe (Art. 42 StGB) mit Probezeit von 2 Jahren; allenfalls verbindbare Busse (Art. 42 Abs. 4 StGB).
- Mittleres / nicht mehr leichtes Verschulden (10 bis 16 Monate Freiheitsstrafe bzw. 180 bis 270 Tagessätze Geldstrafe):
- Typische Konstellationen: Schäden von CHF 100'000.– bis CHF 500'000.–; mehrjährige systematische Lohnbezüge oder Entnahmen (OG ZH SB210163; OG AG SST.2023.145); eigenmächtige Risikoinvestitionen entgegen Anlagestrategie (BG ZH / OG ZH SB150207); Churning und Gebührenschöpfung (OG ZH SB200018); Anwaltsentnahmen von Gründungsgeldern (BG ZH / OG ZH SB140292); Barbezüge über Scheinbuchungen (TC Lausanne PE19.020529).
- Vollzug: Bedingter Vollzug (bis 24 Monate) bei günstiger Prognose; bei Vorstrafen unbedingte Strafe.
- Mittelschweres bis schweres Verschulden (18 bis 36 Monate Freiheitsstrafe):
- Typische Konstellationen: Schäden von CHF 500'000.– bis über CHF 2 Millionen; Missbrauch des Berufsvertrauens als konzessionierter Vermögensverwalter (OG BE SK 2022 67; BG ZH / OG ZH SB110042); Missbrauch von Vertretungsmacht bei Lotterie-/Wettterminals (AppG BS SB.2020.93); Firmenbestattungen mit Gläubigerschädigung (OG ZH SB230383); vorsätzliche Zahlungen ohne Gegenleistung unter Fälschung von Unterlagen (OG AG SST.2022.268; BG ZH / OG ZH SB180182); Barbezüge des Allein-VR für Casinobesuche (TPC Ticino 72.2013.3).
- Vollzug: Teilbedingte Freiheitsstrafe (bis 36 Monate) mit obligatorischem unbedingtem Strafteil von mindestens 6 Monaten.
- Sehr schweres Verschulden (über 36 bis 54 Monate Freiheitsstrafe):
- Typische Konstellationen: Schädigungen im zweistelligen Millionenbereich unter planmässiger Vereitelung von Gläubigeransprüchen durch Berufsgeheimnisträger und Liquidatoren (BG Meilen / OG ZH SB240125: Einsatzstrafe 42 Monate FS bei USD 35.8 Mio.); skrupellose Aushöhlung von Gesellschaften unter wiederholter einschlägiger Vorstrafenbelastung (BG ZH / OG ZH SB190476: 54 Monate FS unbedingt).
- Vollzug: Vollständig unbedingter Vollzug.
J. Prüfraster für die Praxis
N 26 Das folgende Prüfraster fasst die massgeblichen Kriterien der Tatschwere und der Täterkomponenten in der Reihenfolge ihres belegten Gewichts zusammen:
| Merkmal / Kriterium | Richtung | Belegte Wirkung | Randnote |
|---|---|---|---|
| Schadenssumme | erhöhend | Primärer objektiver Massstab: < 30k = Geldstrafe, 100k $\approx$ 12–15 Mt. FS, 600k $\approx$ 24–35 Mt. FS, > 10 Mio. $\approx$ 36–42 Mt. FS | N 4, N 22 |
| Qualifizierte Vertrauensstellung (RA, Liquidator, Willensvollstrecker) | erhöhend | Institutionelles Berufsvertrauen schärft die Einsatzstrafe massiv (Einsatzstrafe 42 Mt. bei Liquidator; unbedingte FS bei Willensvollstrecker) | N 5, N 11 |
| Kriminelle Energie / Verschleierung (Scheinverträge, Strohleute) | erhöhend | Führt zu deutlichem Sprung der Tatschwere und Asperation von Geldwäscherei/Fälschungsdelikten | N 6, N 12 |
| Schädigung natürlicher Personen / Privatanleger | erhöhend | Erheblich strenger gewichtet als reine Gläubigerschädigungen juristischer Personen | N 13 |
| Mehrjährige Tatserie / Deliktskadenz | erhöhend | Lineare Erhöhung um je +2 Monate FS pro Deliktsjahr oder Tagessatzstaffeln | N 8 |
| Untergeordnete Gehilfenschaft (Art. 25 StGB) | mindernd | Obligatorische Milderung ermöglicht selbst bei Millionenschäden bedingten Vollzug | N 14 |
| Fehlende eigene Bereicherung / Altruismus | mindernd | Drückt die Einsatzstrafe selbst bei Schäden von CHF 1.5 Mio. von Freiheitsstrafe auf Geldstrafe | N 15 |
| Tätige Reue & Schadenswiedergutmachung (Art. 48 lit. d StGB) | mindernd | Freiwillige Rückführung vor Verfahrenseröffnung wirkt erheblich strafmindernd | N 16 |
| Überlange Verfahrensdauer (Art. 5 Abs. 1 StPO) | mindernd | Spürbare Abzüge von 4 bis 12 Monaten FS oder Deckelung der Gesamtstrafe | N 19 |
| Langer Zeitablauf & Alter (Art. 48 lit. e StGB) | mindernd | Verbindliche Strafminderung (z.B. -4 Mt. Zeitablauf, -6 Mt. Alter ab 75 J.) | N 20 |
| Geständnis & Kooperation | mindernd | Rabatt von 20 bis 33 % auf die Strafe | N 21 |
| Direktvorsatz & pekuniäre Bereicherungsabsicht | — | Tatbestandsimmanent neutral (Art. 47 StGB; Doppelverwertungsverbot) | N 7, N 17 |
| Einpersonen-AG («eigenes Geld») | — | Entlastet nicht: Trennungsprinzip schützt Grund- und Gläubigersubstrat zwingend | N 17 |
| Passivität / Leichtgläubigkeit des Opfers | — | Entlastet den Treuhänder nicht: kein anrechenbares Opfermitverschulden | N 17 |
| Wirtschaftliche Notlage / Geschäftsdruck | — | Entlastet nicht: allgemeines Betriebsrisiko rechtfertigt keine Pflichtverletzung | N 17 |
| Vorstrafenlosigkeit | — | Gesetzlicher Normalzustand, wirkt rein strafzumessungsneutral | N 17 |
| Rechtsmittelkonstellation (Art. 391 Abs. 2 StPO) | — | Verschlechterungsverbot deckelt die Strafe zwingend auf die Vorinstanz | Methodik |
K. Ausgewertete Entscheide
I. Ausgewertete Gerichtsentscheide (47 Entscheide)
- BG Meilen / OG ZH SB240125 vom 03.03.2025: Rechtsanwalt und amtlicher Liquidator verschiebt USD 35.8 Mio. Gesellschaftsvermögen an zypriotische Drittgesellschaft zur Vereitelung einer Gläubigerforderung von über EUR 20 Mio.; Einsatzstrafe qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung 42 Monate FS (OG ZH; Vorinstanz 50 Mt.); Zwischenstrafe nach Asperation 58 Monate; Minderung um 12 Monate wegen Verletzung des Beschleunigungsgebots, 4 Monate wegen Zeitablaufs und 6 Monate wegen Alters (76 Jahre); Dispositiv: 36 Monate FS teilbedingt (18 Mt. unbedingt, 18 Mt. bedingt) + Ersatzforderung CHF 3.2 Mio.
- KG SZ STK 2024 11 vom 23.09.2025: Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung in Serie neben gewerbsmässigem Betrug und Urkundenfälschung durch einen Anlageberater; Betrug trägt Einsatzstrafe (30 Monate FS); Asperationszuschlag für Art. 158: +3 Monate FS; Dispositiv: 42 Monate FS unbedingt + 15 TS GS bedingt.
- OG ZH SB240166 vom 04.04.2025: Fiktive Rechnungen und Kick-back-Zahlungen bei Bauaufträgen (Schaden Fr. 118'000.–); leitender Angestellter mit Fürsorgepflicht; leichtes Tatverschulden; Einsatzstrafe 50 Tagessätze Geldstrafe; Asperation Urkundenfälschung (+15 TS) und Bestechung (+15 TS); Dispositiv: 80 Tagessätze zu Fr. 90.– Geldstrafe bedingt.
- TC Lausanne / CAPE VD PE19.020529 vom 30.01.2025 (Erstinstanz 12.03.2024): Faktischer Organvertreter und Prokurist tätigt Barbezüge von CHF 571'000.– von Firmenkonten zur privaten Verwendung unter Verschleierung mittels Scheinbuchungen; Einsatzstrafe 15 Monate FS; Dispositiv: 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB230570 vom 18.12.2024 (Erstinstanz 26.09.2023): Willensvollstrecker leistet ungleiche Erbvorschüsse (CHF 98'197.– Schaden gerügt); Vorinstanz verhängte 180 TS Geldstrafe bedingt; Obergericht Zürich spricht vollumfänglich frei, da die ungleiche Vorschussleistung vor Abschluss der Erbteilung keinen endgültigen Schaden begründet.
- BG ZH / OG ZH SB230347 vom 20.06.2024 (Erstinstanz 22.03.2023): Gründer und Geschäftsführer bereichert sich über sechs Jahre in hunderten Vorgängen (Barbezüge, Karteneinsätze, überhöhte Lohnzahlungen: CHF 698'752.– Gesamtschaden); Verschulden mittelschwer; Einsatzstrafe 24 Monate FS; Dispositiv: 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- OG BE SK 2023 120 vom 05.06.2024: Entzug des gesamten Aktienkapitals (CHF 100'000.–) einer Einpersonen-AG durch Alleinaktionär und VR; Falschbeurkundung trägt Einsatzstrafe (50 Strafeinheiten); ungetreue Geschäftsbesorgung wird nach Berner ⅔-Regel mit +30 Strafeinheiten asperiert; Dispositiv: 64 Tagessätze zu CHF 350.– bedingt + Verbindungsbusse CHF 5'600.–.
- OG AG SST.2023.145 vom 16.05.2024: Ungerechtfertigte Kontokorrent- und Barbezüge über Fr. 138'000.– durch geschäftsführenden Gesellschafter; Anwendung von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB n.F. als milderes Recht (lex mitior per 01.07.2023); Einsatzstrafe für schwersten Bezug (Fr. 28'090.–) 12 Monate FS; Asperation +12 Mt.; Beschleunigungsabzug -4 Mt.; Dispositiv: 22 Monate FS bedingt + Busse Fr. 1'000.–.
- OG ZH SB230383 vom 26.04.2024: Firmenbestattungen und planmässiger Aktivenentzug bei maroden Firmen (Schäden CHF 690'000.– und CHF 668'000.–); Verschulden mittelschwer; isolierte Einsatzstrafen für Art. 158 von 18 bzw. 20 Monaten FS; Zusatzstrafenbildung mit Betrug; Dispositiv: 54 Monate FS unbedingt (teilweise Zusatzstrafe).
- TP Broye / CAPE VD PE22.011103 vom 13.02.2024 (Erstinstanz 23.03.2023): Treuhänder führt Scheinliberierung einer Bau-AG über CHF 100'000.– durch und überweist das Kapital sofort an seinen Vater zurück; leichtes Verschulden; Einsatzstrafe 150 Tagessätze Geldstrafe; Dispositiv: 150 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- OG AG SST.2023.45 vom 08.01.2024: Unberechtigte Privatbezüge über das Kontokorrent von Fr. 95'000.–; gewerbsmässiger Betrug trägt Einsatzstrafe; ungetreue Geschäftsbesorgung führt zu Asperationszuschlag von +6 Monaten FS; Dispositiv: 4 ½ Jahre FS unbedingt (Gesamtstrafe).
- OG ZH SB210463 vom 18.12.2023: Egoistische Bereicherung zu Lasten des Treugebers bei Wertschriftenanlagen (Schaden CHF 66'000.–); isolierte Einzelstrafe für Art. 158 8 Monate FS bzw. 240 TS GS; Verrechnung mit Veruntreuung; Anwendung aArt. 34 aStGB; Dispositiv: 22 Monate FS bedingt + 360 TS GS bedingt + Busse Fr. 600.–.
- AppG BS SB.2020.93 vom 05.12.2023: Missbrauch der Vertretungsmacht (Art. 158 Ziff. 2 StGB) durch Kioskangestellten, der Wett- und Lotterieterminals für Fr. 180'000.– Eigenspiele nutzte; Einsatzstrafe 18 Monate FS; Asperation Hehlerei (+1 Mt.), BetmG (+3.5 Mt.); Dispositiv: 24 Monate FS bedingt + 35 TS GS + Busse CHF 700.–.
- BG Zofingen / OG AG SST.2022.278 vom 21.09.2023 (Erstinstanz 05.05.2022): Geschäftsführer veruntreut Firmengelder von CHF 226'804.–; Veruntreuung bildet Hauptdelikt (12 Monate FS); Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB wird mit +3 Monaten FS asperiert; Dispositiv: 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- OG BE SK 2022 67 vom 15.09.2023: Einbehaltung verdeckter Retrozessionen bei 54 Kunden durch selbständigen Vermögensverwalter (Gesamtschaden CHF 1'960'037.91); Stützung auf Tanja Graber; Einsatzstrafe Einzelfall (Schaden CHF 634'000.–) 35 Monate FS; Asperation 53 Kunden; Verfahrensdauer deckelt die Strafe; Dispositiv: 24 Monate FS bedingt + Ersatzforderung CHF 50'000.–.
- OG ZH SB200018 vom 24.05.2023: Churning / übermässige Depotumschichtungen zur Generierung von Courtagen; Einsatzstrafe 16 Monate FS; 17-jährige Verfahrensdauer kompensiert sämtliche Asperationszuschläge vollständig; Dispositiv: 16 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- OG AG SST.2022.268 vom 11.04.2023: Pflichtwidrige Zahlungen ohne Gegenleistung als Organ und Fälschung von Gesellschaftsbeschlüssen; Einsatzstrafe 33 Monate FS; Asperation Falschbeurkundung (+12 Mt.) = 45 Mt.; Verschlechterungsverbot deckelt auf 36 Monate; Dispositiv: 36 Monate FS teilbedingt (12 Monate vollziehbar).
- OG BE SK 2021 62 vom 13.03.2023: Zweckwidrige Verwendung von Firmengeldern und Eigenentnahmen; Ziff. 1.1 (Schaden CHF 317'580.–): Einsatzstrafe 14 Monate FS, nach Zeitablauf 12 Monate FS bedingt; Ziff. 1.2/1.3: Einsatzstrafe 150 TS GS; Dispositiv: 12 Monate FS bedingt bzw. 180 TS GS bedingt.
- BG ZH / OG ZH SB210335 vom 20.01.2023 (Erstinstanz 05.05.2021): Strohmann-AG gegründet und Aktienkapital von CHF 517'692.– für Bargeldbezüge und Drittgesellschaft entzogen; Einsatzstrafe OG ZH 16 Monate FS; Asperation Geldwäscherei (+3 Mt.); Vorinstanz 14 Monate FS bedingt, Obergericht 20 Monate FS unbedingt (Drahtzieher A.); Strohmann B. 180 TS GS bedingt.
- KG GR SK1 2020 31 vom 01.12.2022: Gewerbsmässige Vermögensverwalter-Delinquenz in Serie; Veruntreuung bildet Hauptdelikt; feste Asperationsstaffel für Art. 158: je +6 TS (< 10k) bzw. +10 TS (10–50k); Dispositiv: 3 Jahre FS unbedingt + 300 TS GS unbedingt.
- OG BE SK 2021 254 vom 03.11.2022: Entzug von CHF 208'000.– Gesellschaftsvermögen zur Deckung privater Schulden; isolierte Einzelstrafe 12 Monate FS; Bereicherungsabsicht tatbestandsimmanent; hälftige Asperation auf Betrug (+6 Mt. FS); Dispositiv: Freiheitsstrafe unbedingt (Gesamtstrafe).
- KG BL 460 2021 147 vom 10.05.2022: Versuchte ungetreue Geschäftsbesorgung in 5 Fällen neben Veruntreuung; Asperation der versuchten Taten nach Tagessatzstaffel (+6, +8, +10, +15, +3 TS) auf 150 TS Geldstrafe; Dispositiv: 24 Monate FS bedingt + 150 TS GS bedingt.
- OG ZH SB210163 vom 25.10.2021: Systematische unberechtigte Lohn- und Bonuszahlungen über 9 Geschäftsjahre als VR-Präsident; Einsatzstrafe schwerstes Jahr 4 Monate FS; lineare Asperation für 8 Folgejahre (+16 Mt.) = 20 Monate Tatstrafe; Kappung durch Verschlechterungsverbot; Dispositiv: 18 Monate FS bedingt.
- OG ZH SB200466 vom 27.05.2021: Schmälerung des Gesellschaftsvermögens durch faktischen Geschäftsführer zwecks Gläubigerschädigung; Verschulden nicht mehr leicht; Einsatzstrafe 9.5 Monate FS; Asperation SVG (+0.5 Mt.); Dispositiv: 10 Monate FS unbedingt.
- OG ZH SB190523 vom 22.04.2021: Eigenmächtiger Verkauf von Wandelanleihen entgegen Treuhandvertrag; isolierte Einzelstrafe 9 Monate FS; Asperationszuschlag auf Betrugs-Einsatzstrafe +6 Monate FS; Dispositiv: 27 Monate FS (9 Monate vollziehbar, 18 Monate bedingt).
- OG ZH SB200075 vom 11.03.2021: Zweckwidrige Tankkartenbezüge (Fr. 9'200.–, Dossier 6) und Firmenkontobelastung (Dossier 2); Verschulden leicht; Einzelstrafe Dossier 2: 4 Mt. FS; Einzelstrafe Dossier 6: 120 TS GS, nach Geständnisrabatt 80 TS; Dispositiv: 36 Monate FS teilbedingt (Gesamtstrafe mit Betrug).
- BG Winterthur / OG ZH SB200012 vom 03.10.2019: Geschäftsführer begleicht private Kfz-Versicherungen und Aston-Martin-Cover über Immobilien-AG (Schaden Fr. 9'012.–); leichtes Verschulden; Einsatzstrafe 180 TS GS; Dispositiv: 180 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB190476 vom 26.06.2019: Mehrheitsaktionär und CEO schädigt AG und Gläubiger um CHF 1'232'296.– durch Pflichtverletzungen, falsche Bilanzen und Konkursdelikte; sehr schweres Verschulden; Einsatzstrafe 54 Monate FS; Dispositiv: 54 Monate FS teilbedingt (12 Monate vollziehbar, 42 Monate bedingt).
- TP Genève / CPAR GE P/788/2015 vom 29.04.2020 (Erstinstanz 19.06.2019): Beauftragte für Baueinsprache vereinbart heimlich Abfindung von CHF 75'000.– mit Baupromotor und behält das Geld ein; leichtes Verschulden; Einsatzstrafe 150 TS GS; Dispositiv: 150 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 3 Jahre).
- KG BL 460 18 162 vom 20.11.2018: Misswirtschaft (Fr. 400k), qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Fr. 55k) und einfache Geschäftsbesorgung (Fr. 14k); Misswirtschaft trägt Einsatzstrafe (9 Mt.); Art. 158 wird mit +7 Mt. und +3 Mt. FS asperiert; Beschleunigungskompetenz; Dispositiv: 10 Monate FS bedingt + Busse Fr. 450.–.
- BG Pfäffikon / OG ZH SB180513 vom 20.07.2018: Geschäftsführer tätigt abredewidrige Überweisungen von Firmenkonten über insgesamt Fr. 2'674.–; Einsatzstrafe 80 Tagessätze Geldstrafe; Direktvorsatz und Bereicherung tatbestandsimmanent neutral; Dispositiv: 210 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 3 Jahre wegen Vorstrafen).
- BG ZH / OG ZH SB180264 vom 21.03.2018: Alleinaktionär und GF schädigt AG um CHF 169'062.–; Einsatzstrafe 15 Monate FS (OG ZH; Vorinstanz 12 Mt.); Vorstrafenerhöhung wegen Vorstrafen Insolvenzdelikte; Dispositiv: 27 Monate FS unbedingt (OG ZH: 34 Mt. FS unbedingt).
- BG ZH / OG ZH SB180182 vom 28.02.2018: Einzelzeichnungsberechtigter VR-Präsident veranlasst ungesicherte Zahlung von EUR 3 Mio. ohne Gegenleistung; mittelschweres Verschulden; Einsatzstrafe 22 Monate FS; Dispositiv: 22 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB170415 vom 23.08.2017: Kundenberaterin veruntreut CHF 1 Mio. (Einsatzstrafe 15 Monate FS); ungetreue Geschäftsbesorgung wird mit +20 Monaten FS asperiert (Tatstrafe 39 Mt., nach Geständnis 33 Mt.); Dispositiv: 33 Monate FS teilbedingt (12 Monate vollziehbar, 21 Monate bedingt).
- BG ZH / OG ZH SB170390 vom 20.07.2017: Eigentümer einer Vermögensverwaltung veruntreuen CHF 9.3 Mio. (Einsatzstrafe 6 Jahre FS); ungetreue Geschäftsbesorgung durch riskante Silbergeschäfte wird mit +12 Monaten FS asperiert; Dispositiv: 48 Monate FS unbedingt.
- AppG BS SB.2015.62 vom 01.06.2016: Aushöhlung einer AG (Schaden Fr. 1.5 Mio.) durch pflichtwidrige Unterlassung jeglicher Kontrolle des vorbestraften Geschäftsführers durch VR-Präsidenten; altruistisches Motiv, keine eigene Bereicherung; Einsatzstrafe 210 TS Geldstrafe; Dispositiv: 270 TS Geldstrafe zu CHF 100.– bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- Strafgericht BS / AppG BS SB.2013.116 vom 19.06.2015 (Erstinstanz 05.09.2013): Geschäftsführer zweigt über fast zehn Jahre Sprachschulgelder von über CHF 611'000.– ab; Betrug bildet Einsatzstrafe (30 Monate FS); Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB wird mit +6 Monaten FS asperiert; Dispositiv: 36 Monate FS teilbedingt (12 Monate vollziehbar, 24 Monate bedingt).
- BG ZH / OG ZH SB140292 vom 09.07.2015 (Erstinstanz 22.05.2014): Rechtsanwalt verwendet CHF 100'000.– Gründungskapital einer Mandantengesellschaft pflichtwidrig für eigene Zwecke; Einsatzstrafe 15 Monate FS; Freispruch von Betrug; Dispositiv: 15 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG Winterthur / OG ZH SB150134 vom 22.09.2015 (Erstinstanz 20.01.2015): Geschäftsführer leitet Kundengelder von Fr. 19'038.– auf privates Depositenkonto um; leichtes Verschulden; Freispruch vom Betrugsvorwurf; Einsatzstrafe 150 TS GS; Dispositiv: 150 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB150207 vom 01.04.2015: Vermögensverwalter weicht über Jahre von konservativer Anlagestrategie einer Kundin ab und tätigt hochriskante Optionsgeschäfte (Schaden CHF 286'158.–); Einsatzstrafe 14 Monate FS; Dispositiv: 14 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG Winterthur / OG ZH SB150164 vom 10.12.2015 (Erstinstanz 04.12.2014): Willensvollstrecker schädigt Nachlass um Fr. 90'000.– für Scheinberatungen; Einsatzstrafe 10 Monate FS; ungünstige Legalprognose wegen Vorstrafen; Dispositiv: 10 Monate FS unbedingt.
- BG Bülach / OG ZH SB160422 vom 18.09.2014: Vermögensverwalter leitet Kundengelder von CHF 139'000.– pflichtwidrig an eigene Firmen weiter; Einsatzstrafe 16 Monate FS; Dispositiv: 16 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- TPC Ticino 72.2013.3 vom 08.07.2014: Allein-VR und Alleinaktionär entnimmt CHF 1'118'454.– Bargeld aus der Gesellschaft für Casinobesuche und führt Konkurs herbei; Einsatzstrafe 24 Monate FS; Asperation mit Konkursdelikten; Dispositiv: 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB110042 vom 16.11.2011 (Erstinstanz 17.06.2009): Private-Banking-Direktor vereinnahmt verdeckte Retrozessionen von CHF 1'463'532.50 über Offshore-Vehikel bei strukturierten Finanzprodukten; Einsatzstrafe 24 Monate FS; Dispositiv: 24 Monate FS bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB110525 vom 21.10.2011 (Erstinstanz 22.06.2011): Leitende Angestellte mit Kontovollmacht verheimlicht Lohnpfändung und tätigt Privatbezüge von CHF 17'575.–; Einsatzstrafe 240 TS GS (aArt. 34 aStGB); Asperation Urkundenfälschung (+40 TS); Dispositiv: 240 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB110254 vom 23.09.2011 (Erstinstanz 08.12.2010): Verwaltungsrat zweier AGs schädigt Gläubiger und Aktionäre um mind. CHF 120'000.– durch Mittelverschiebungen; Einsatzstrafe 270 TS GS (aArt. 34 aStGB); Dispositiv: 270 Tagessätze Geldstrafe bedingt (Probezeit 2 Jahre).
- BG ZH / OG ZH SB110028 vom 09.07.2012 (Erstinstanz 03.09.2010): Gehilfe bei zehn manipulierten Börsentransaktionen (Front-Running) mit Schaden von USD 2.9 Mio.; Milderung wegen Gehilfenschaft (Art. 25 StGB); Einsatzstrafe 36 Monate FS; Dispositiv: 36 Monate FS, davon 18 Monate vollziehbar, 18 Monate bedingt (Probezeit 2 Jahre).
II. Leitentscheide des Bundesgerichts
- BGE 144 IV 217: Grundsätze zur Strafzumessung bei mehrfacher Deliktsbegehung und Asperation nach Art. 49 Abs. 1 StGB; Abgrenzung der hypothetischen Einsatzstrafe vom reduzierten Asperationszuschlag.
- BGE 142 IV 14: Doppelverwertungsverbot bei Art. 47 StGB; deliktsimmanente Tatbestandsmerkmale (Vorsatz, Bereicherungsabsicht) dürfen nicht straferhöhend berücksichtigt werden.
- BGE 136 IV 55: Begründungspflicht bei der Strafzumessung; die verhängte Strafe muss mit dem im Urteil benannten Verschuldensgrad und der Strafrahmenbreite harmonieren (Kontrolle nach E. 5.7).
- BGE 131 IV 49: Begriff der Garantenstellung und der Vermögensfürsorgepflicht bei Art. 158 Ziff. 1 StGB; Abgrenzung zum Missbrauch der Vertretungsmacht nach Art. 158 Ziff. 2 StGB.