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Rechtsprechung zu Art. 138 StGB

I. Leitentscheide des Bundesgerichts

BGE 133 IV 21 E. 6 — Werterhaltungspflicht

  • Thema: Voraussetzungen der Veruntreuung bei vollkommen zweiseitigen Verträgen.
  • Kernaussage: Täuschungsbedingte Gegenleistungen begründen keine Werterhaltungspflicht im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

BGE 143 IV 297 E. 1.4 — Anvertrautsein und Sachherrschaft

  • Thema: Faktische Verfügungsmacht bei geleasten oder überlassenen Sachen.
  • Kernaussage: Beim Begriff des Anvertrautseins handelt es sich um ein faktisches Vertrauensverhältnis; unerheblich ist, von wem die Sache übergeben wurde.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.

BGE 121 IV 23 — Vereitelungshandlung

  • Thema: Tathandlung bei der Veruntreuung von Vermögenswerten.
  • Kernaussage: Die Veruntreuung setzt ein Verhalten voraus, durch das der Täter eindeutig seinen Willen bekundet, den Anspruch des Treugebers zu vereiteln.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

BGE 129 IV 257 E. 2 — Zweckbindung bei Darlehen

  • Thema: Abgrenzung von vertraglicher Pflichtverletzung und strafbarer Veruntreuung.
  • Kernaussage: Die zweckwidrige Verwendung eines Darlehens erfüllt den Tatbestand der Veruntreuung nicht, wenn keine rechtliche Werterhaltungspflicht bestand.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

BGE 124 IV 9 E. 1d — Werterhaltung bei zweckgebundenen Mitteln

  • Thema: Treuepflichten des Borgers bei Zweckdarlehen.
  • Kernaussage: Eine Werterhaltungspflicht kann sich aus einer ausdrücklichen vertraglichen Abrede über den Verwendungszweck ergeben.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

II. Weitere Entscheide

BGE 118 IV 27 — Bereicherungsabsicht und Ersatzfähigkeit

  • Thema: Kriterien des subjektiven Tatbestands bei Veruntreuung.
  • Kernaussage: Eine hypothetische Ersatzfähigkeit, die auf unsicheren Krediten Dritter beruht, schliesst die Absicht unrechtmässiger Bereicherung nicht aus.
  • Einschlägig für: Art. 138 StGB.

BGer 6B_224/2024 vom 29. Juli 2026 E. 1.2 — Qualifikation bei Beistandschaft

  • Thema: Veruntreuung im Rahmen behördlich angeordneter Beistandschaften.
  • Kernaussage: Dem Beistand anvertraute Gelder der verbeiständeten Person unterliegen der qualifizierten Strafdrohung von Art. 138 Ziff. 2 StGB.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 2 StGB.

BGer 6B_776/2016 vom 8. November 2016 E. 2 — Subjektiver Tatbestand

  • Thema: Vorsatzanforderungen bei treuwidriger Mittelverwendung.
  • Kernaussage: Der Täter muss den vertragswidrigen Entzug der Werte mindestens billigend in Kauf nehmen.
  • Einschlägig für: Art. 138 StGB, Art. 12 StGB.

Obergericht ZH SB180237 vom 15. Januar 2019 — Ständige Ersatzbereitschaft

  • Thema: Kantonale Rechtsprechung zur Kontovermischung.
  • Kernaussage: Werden fremde Treuhandgelder auf eigene Konten transferiert, bedarf der Ausschluss der Bereicherungsabsicht des Nachweises sofortiger Liquidität.
  • Einschlägig für: Art. 138 StGB.

Obergericht ZH SB190089 vom 9. März 2020 — Abgrenzung zu Art. 158 StGB

  • Thema: Abgrenzung von Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsführung.
  • Kernaussage: Die unberechtigte Entnahme von Gesellschaftsvermögen für private Zwecke erfüllt primär den Tatbestand der Veruntreuung.
  • Einschlägig für: Art. 138 StGB, Art. 158 StGB.