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Rechtsprechung zu Art. 138 StGB

Leitentscheide (BGE)

BGE 143 IV 297, E. 1.4

  • Thema: Veruntreuung eines geleasten Fahrzeugs; faktisches Vertrauensverhältnis
  • Kernaussage: Bei der Verfügungsmacht des Treuhänders handelt es sich um ein faktisches, nicht rechtliches Verhältnis. Bestätigung der Rechtsprechung, wonach es unerheblich ist, ob der Täter die Sache vom Verletzten oder von einem Dritten erhalten hat. Ein faktisches oder tatsächliches Vertrauensverhältnis genügt für das Merkmal “anvertraut”.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anvertrautsein, Verfügungsmacht)
  • Link: BGE 143 IV 297

BGE 133 IV 21, E. 6 und 7

  • Thema: Qualifizierte Veruntreuung anvertrauter Vermögenswerte; Abgrenzung zum Betrug bei vollkommen zweiseitigen Verträgen
  • Kernaussage: Täuschungsbedingte Gegenleistungen für die versprochene vertragliche Leistung aus vollkommen zweiseitigen Verträgen begründen keine Werterhaltungspflicht und sind nicht “anvertraut” im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. Der Freispruch von der Anklage des Betruges in einem Fall schwindelhaften Verkaufs von angeblichen Bankgarantien erlaubt daher keine ersatzweise Verurteilung wegen Veruntreuung.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 und Ziff. 2 StGB (Vermögenswerte, Qualifikation, Konkurrenz zum Betrug)
  • Link: BGE 133 IV 21

BGE 121 IV 23, Regeste

  • Thema: Unrechtmässige Verwendung anvertrauten Guts; Verheimlichen eines Zahlungseingangs
  • Kernaussage: Die tatbestandsmässige Handlung bei der Gutsveruntreuung besteht in einem Verhalten des Täters, durch welches er eindeutig seinen Willen bekundet, den obligatorischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln. Bekundung dieses Willens bejaht bei einem Notar und Grundbuchverwalter, der die Einnahme von Steuergeldern gegenüber dem Steuerhoheitsträger mittels unwahrer Belege verschleiert hat.
  • Einschlägig für: Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 Alt. 2 StGB (Verwendungshandlung, Vereitelungswille) — zu Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 aF, dogmatisch fortgeführt.
  • Link: BGE 121 IV 23

BGE 129 IV 223, E. 6 und 7

  • Thema: Unrechtmässige Aneignung ohne Bereicherungsabsicht (Art. 137) — Abgrenzung zur Veruntreuung
  • Kernaussage: Wer Lebensmittel in die Tasche steckt, um sie entgegen den Weisungen der Arbeitgeberin nach Hause mitzunehmen, erfüllt den Tatbestand der unrechtmässigen Aneignung ohne Bereicherungsabsicht (Art. 137 Ziff. 2 Abs. 2 i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB). Unerheblich ist, dass es der Arbeitnehmerin erlaubt gewesen wäre, aus diesen Lebensmitteln am Arbeitsplatz eine Mahlzeit zuzubereiten und einzunehmen. Klärt die Abgrenzung zu Art. 138 StGB entlang der Bereicherungsabsicht.
  • Einschlägig für: Abgrenzung Art. 137 / Art. 138 StGB (Bereicherungsabsicht)
  • Link: BGE 129 IV 223

Weitere Bundesgerichtsentscheide

BGer 6B_150/2017 vom 11. Januar 2018

  • Thema: Gewerbsmässiger Betrug, qualifizierte Veruntreuung; Misswirtschaft; Strafzumessung
  • Kernaussage: Kombinationsdelikt aus gewerbsmässigem Betrug und qualifizierter Veruntreuung bei berufsmässiger Vermögensverwaltung; Strafzumessung bei Tatmehrheit.
  • Link: BGer 6B_150/2017

BGer 6B_827/2010 vom 24. Januar 2011

  • Thema: Mehrfache Veruntreuung, mehrfacher Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, mehrfache Urkundenfälschung
  • Kernaussage: Häufige Kombination mehrerer Vermögensdelikte; zeigt Konkurrenzlage zwischen Veruntreuung, Betrug, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung.
  • Link: BGer 6B_827/2010

BGer 6B_446/2010 vom 14. Oktober 2010

  • Thema: Mehrfache Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung
  • Kernaussage: Typische Konstellation der Konkurrenz zwischen Art. 138 und Art. 158 StGB bei treuhänderischer Tätigkeit.
  • Link: BGer 6B_446/2010

BGer 6B_586/2010 vom 23. November 2010

  • Thema: Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung; Willkür, rechtliches Gehör
  • Kernaussage: Verfahrensrechtliche Aspekte (Willkür, rechtliches Gehör, gerechtes Verfahren) im Kontext einer Veruntreuungsverurteilung; Entschädigung der amtlichen Verteidigung.
  • Link: BGer 6B_586/2010

BGer 6B_66/2008 vom 9. Mai 2008

  • Thema: Mehrfache Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Misswirtschaft; Strafzumessung; Zivilforderungen
  • Kernaussage: Berufsmässige Tätigkeit und Strafzumessung; Verhältnis von Zivilforderungen und strafrechtlichem Schadensersatz.
  • Link: BGer 6B_66/2008

BGer 6B_1161/2013 vom 14. April 2014

  • Thema: Mehrfache Veruntreuung, Strafzumessung; Schadenersatz, Anklagegrundsatz
  • Kernaussage: Anklagegrundsatz bei der Veruntreuungsverurteilung; Schadenersatz im Strafurteil.
  • Link: BGer 6B_1161/2013

BGer 6B_199/2011 vom 10. April 2012

  • Thema: Mehrfache qualifizierte Veruntreuung und Gehilfenschaft dazu, mehrfache Urkundenfälschung; Willkür, Anklageprinzip
  • Kernaussage: Belegt die Anwendbarkeit von Art. 25 StGB (Gehilfenschaft) auf die qualifizierte Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 2 StGB.
  • Link: BGer 6B_199/2011

BGer 6B_292/2019 vom 25. Juni 2019

  • Thema: Mehrfache Hehlerei, mehrfache Veruntreuung; Willkür, Anklageprinzip
  • Kernaussage: Konkurrenz von Veruntreuung und Hehlerei (Art. 160 StGB); anklagegrundsätzliche Aspekte.
  • Link: BGer 6B_292/2019

BGer 6B_701/2020 vom 11. Juni 2021

  • Thema: Veruntreuung; Verwendung beschlagnahmter Vermögenswerte
  • Kernaussage: Die Verwendung beschlagnahmter Vermögenswerte durch den Inhaber kann den Tatbestand der Veruntreuung erfüllen; die Beschlagnahme begründet ein faktisches Vertrauensverhältnis.
  • Link: BGer 6B_701/2020

BGer 6B_511/2020 vom 10. März 2021

  • Thema: Veruntreuung, Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Strafzumessung, Willkür
  • Kernaussage: Kombinationsdelikt; Strafzumessung und Willkürprüfung.
  • Link: BGer 6B_511/2020

BGer 6B_609/2010 vom 28. Februar 2011

  • Thema: Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung; willkürliche Beweiswürdigung
  • Kernaussage: Beweiswürdigung im Veruntreuungsfall; Abgrenzung zur ungetreuen Geschäftsbesorgung.
  • Link: BGer 6B_609/2010

Letzte Aktualisierung: 2026-07-04