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Rechtsprechung zu Art. 14 EMRK

Leitentscheide (BGE)

BGE 143 I 50

  • Thema: Geschlechtsbezogene Diskriminierung / Invaliditätsbemessung
  • Kernaussage: Die revisionsweise Aufhebung einer Invalidenrente ist EMRK-widrig (Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK), wenn allein familiäre Gründe — die Geburt von Kindern und die damit einhergehende Reduktion des Erwerbspensums — für einen Statuswechsel zu “teilerwerbstätig” sprechen. Setzt das EGMR-Urteil Di Trizio gegen die Schweiz (2016) um.
  • Einschlägig für: Geschlecht als Diskriminierungsmerkmal, gemischte Methode

BGE 136 II 120

  • Thema: Inländerdiskriminierung / Familiennachzug
  • Kernaussage: Beim Familiennachzug zu einem eingebürgerten Schweizer Bürger kann sich eine Schlechterstellung gegenüber Angehörigen von EU/EFTA-Staatsangehörigen (“Inländerdiskriminierung”) ergeben; Zusammenfassung der Praxis zum Familiennachzug nach Art. 17 Abs. 2 ANAG.
  • Einschlägig für: Nationalität als Diskriminierungsgrund, Inländerdiskriminierung

EGMR-Entscheide

EGMR, Urteil vom 23.07.1968, Belgische Sprachsache (vorerst), § 9

  • Thema: Zubringercharakter des Art. 14 EMRK
  • Kernaussage: Art. 14 EMRK ist kein selbständiges Recht, sondern nur in Verbindung mit einem anderen Konventionsrecht anwendbar. Es genügt jedoch, dass der Sachverhalt in den Anwendungsbereich eines Konventionsrechts fällt — eine Verletzung dieses Rechts muss nicht vorliegen.

EGMR, Urteil vom 13.12.2005, Nachova gegen Bulgarien, § 145

  • Thema: Rassistische Diskriminierung / suspekter Grund
  • Kernaussage: Diskriminierungen wegen Rasse oder ethnischer Herkunft unterliegen der strengsten Prüfungsintensität. Der Staat muss darlegen, dass die unterschiedliche Behandlung objektiv und sachlich gerechtfertigt ist.

EGMR, Urteil vom 12.06.2014, Hämäläinen gegen Finnland, § 109

  • Thema: Sexuelle Orientierung / suspekter Grund
  • Kernaussage: Die unterschiedliche Behandlung wegen der sexuellen Orientierung bedarf einer besonders gewichtigen Rechtfertigung. Der margin of appreciation der Mitgliedstaaten ist bei suspekten Diskriminierungsmerkmalen eng.

EGMR, Urteil vom 21.12.2013, Vallianatos gegen Griechenland, § 81

  • Thema: Sexuelle Orientierung / eingetragene Partnerschaft
  • Kernaussage: Der Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare von der eingetragenen Partnerschaft verstösst gegen Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK. Die sexuelle Orientierung ist ein suspektes Diskriminierungsmerkmal im Sinne von Art. 14 EMRK.

EGMR, Urteil vom 28.06.2022, Kiykin gegen Russland, § 48

  • Thema: Zubringercharakter / Anwendbarkeit
  • Kernaussage: Art. 14 EMRK ist nur anwendbar, wenn der Sachverhalt in den Schutzbereich eines anderen Konventionsrechts fällt. Die Anwendbarkeit wird grosszügig bejaht.

Weitere Bundesgerichtsentscheide

BGer 2C_1075/2013 vom 26.03.2014

  • Thema: Ausländerrechtliche Diskriminierung
  • Kernaussage: Die unterschiedliche Behandlung von Ausländern nach Aufenthaltsstatus (Aufenthaltsbewilligung vs. Niederlassungsbewilligung) ist bei Art. 14 EMRK grundsätzlich gerechtfertigt, solange sachliche Gründe für die Differenzierung bestehen.

Letzte Aktualisierung: 2026-06-06