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Rechtsprechung zu Art. 34 BV — Politische Rechte

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I. Freie Willensbildung und behördliche Informationspflicht

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 130 I 2902004Behördliche Informationspflicht (Leitentscheid): Verpflichtung der Behörden zu sachlicher und ausgewogener Information der Stimmberechtigten in den Abstimmungsunterlagen; Zulässigkeit von öffentlichen Äusserungen einzelner Behördemitglieder im Abstimmungskampf; Legitimation von Privaten und juristischen Personen zur StimmrechtsbeschwerdeE. 1.2–1.3, 3
BGE 138 I 612011Abstimmungsfreiheit und Abstimmungserläuterungen: Grundzüge des Rechtsschutzes in Stimmrechtssachen (vor und nach der Justizreform); nachträglicher Rechtsschutz bei Unregelmässigkeiten; verfassungsrechtlicher Anspruch auf Revision/Wiedererwägung; Grundzüge der Abstimmungsfreiheit und Anforderungen an Abstimmungserläuterungen; Fehlen wesentlicher Elemente für die Meinungsbildung verletzt die AbstimmungsfreiheitE. 3–8.7
BGE 139 I 22012Umsetzung einer Planungsinitiative: Bei der Umsetzung einer angenommenen Planungsinitiative ist eine Vorlage auszuarbeiten, die dem angestrebten planerischen Ergebnis entspricht und mit höherrangigem Recht (insbesondere Eigentumsgarantie) vereinbar ist; Ermessensspielraum der Gemeindebehörden; Vereinbarkeit der Abstimmungserläuterungen mit der Garantie der politischen RechteE. 5–6

II. Abstimmungsfreiheit — Beeinträchtigung durch Private und Behörden

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 135 I 2922009Beeinträchtigung der Abstimmungsfreiheit (Gemeindeversammlung): Grundzüge der Abstimmungsfreiheit; Beeinträchtigung von behördlicher oder privater Seite; die unzutreffende Präsentation eines wesentlichen, erst anlässlich der Gemeindeversammlung bekanntgemachten Dokuments von privater Seite beeinträchtigt die Meinungsbildung und verletzt die Abstimmungsfreiheit; Aufhebung des GemeindeversammlungsentscheidesE. 2, 4

III. Behördliche Interventionen im Abstimmungskampf

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 143 I 782016Kantonale Intervention (Nachrichtendienstgesetz): Ein Kanton darf in einen Abstimmungskampf auf Bundesebene eingreifen, wenn er ein unmittelbares und besonderes Interesse hat; Objektivität und Sachlichkeit, aber Stellungnahme zulässig; besondere Betroffenheit des Kantons Zürich (terroristische Verletzlichkeit); interkantonale Fachkonferenzen nicht zuständigE. 4–6
BGE 145 I 12018Interventionen im Vorfeld (Abstimmungsvideo): Zulässigkeit behördlicher Interventionen im Vorfeld einer eidgenössischen Volksabstimmung; Abstimmungsvideo der Bundeskanzlei; Kantonsregierungen dürfen Abstimmungsempfehlung abgeben (Sachlichkeit, Verhältnismässigkeit, Transparenz); Konferenz der Kantonsregierungen bei Mehrheitsbetroffenheit; Fachdirektorenkonferenzen ausgeschlossen; öffentliche Unternehmen (kantonal beherrscht) mit ZurückhaltungE. 5–8

IV. Wahlrecht und Wahlkreisgestaltung

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 129 I 1852002Wahlkreisgestaltung (Stadt Zürich): Anspruch auf unverfälschte Stimmabgabe, Recht auf gleiche Ämterzugänglichkeit, rechtsgleiches Wahlrecht bei der Wahlkreiseinteilung für die Gemeinderatswahl der Stadt Zürich; Bundesverfassungswidrigkeit der Wahlkreiseinteilung; keine Rechtfertigung der Verletzung der Wahlfreiheit; aus Gründen der Rechtssicherheit und Verhältnismässigkeit keine Aufhebung der Wahlen, sondern Feststellung der VerfassungswidrigkeitE. 1, 5, 6.1, 7.1–9

V. Ermittlung und Nachzählung von Wahlergebnissen

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 131 I 4422005Anspruch auf Nachzählung: Nachzählung des Ergebnisses der Gemeinderatswahl; massgebliche Vorschriften zur Auszählung der Wahlzettel; Feststellung von aussergewöhnlichen Regelwidrigkeiten; Ermittlung und Nachzählung von Wahl- und Abstimmungsergebnissen im Lichte von Art. 34 Abs. 2 BV; bei festgestellten Unregelmässigkeiten und sehr knappem Wahlausgang Anspruch auf Nachzählung bejahtE. 2–3.8
BGE 140 I 3382014Beschwerdefrist (drei Tage): Wahrung der dreitägigen Beschwerdefrist für Abstimmungsbeschwerden im Kanton (Art. 77 Abs. 2 BPR); Frage offengelassen, ob die Frist vor amtlicher Publikation des Abstimmungstermins zu laufen beginnt; Beanstandung von PublikationsmängelnE. 4.4

VI. Zusammenhang mit anderen Grundrechten

BezugJahrKurzbeschreibungErwägung
BGE 129 I 2322003Urnenabstimmung über Einbürgerungsgesuche: Konflikt zwischen Abstimmungsfreiheit (Art. 34 Abs. 2 BV) und Begründungspflicht (Art. 29 Abs. 2 BV i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV); Konflikt mit dem Recht auf Privat- und Geheimsphäre (Art. 13 BV); Urnenabstimmung über Einbürgerungsgesuche verletzt die verfassungsrechtliche BegründungspflichtE. 3.3–4.4

VII. Dogmatische Entwicklung — Zeitstrahl

JahrLeitentscheidHinzugefügte Dogmatik
2002BGE 129 I 185Wahlkreisgestaltung; Verfassungswidrigkeit der Zürcher Gemeinderatswahlkreise
2003BGE 129 I 232Konflikt Abstimmungsfreiheit vs. Begründungspflicht bei Einbürgerungen
2004BGE 130 I 290Behördliche Informationspflicht; sachliche und ausgewogene Information
2005BGE 131 I 442Anspruch auf Nachzählung bei Unregelmässigkeiten
2009BGE 135 I 292Beeinträchtigung der Abstimmungsfreiheit durch private Seite
2011BGE 138 I 61Abstimmungserläuterungen; nachträglicher Rechtsschutz; Anspruch auf Revision
2012BGE 139 I 2Abstimmungserläuterungen bei Umsetzung einer Planungsinitiative
2014BGE 140 I 338Beschwerdefrist (drei Tage) für Abstimmungsbeschwerden
2016BGE 143 I 78Kantonale Intervention im Abstimmungskampf; besonderes Interesse
2018BGE 145 I 1Kantonsregierungen und öffentliche Unternehmen im Abstimmungskampf; Abstimmungsvideo

Letzte Aktualisierung: 2026-07-17