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Rechtsprechung zu Art. 12 BGFA

Präzisierungsentscheide (5er-Besetzung)

BGer 2C_520/2025 vom 22. April 2026, E. 4–5.2

  • Thema: Honorar-Informationspflicht bei Vorschuss-Überschreitung
  • Kernaussage: Ein Anwalt, der seine Klientin über eineinhalb Jahre nicht schriftlich über die aufgelaufenen Kosten informiert und bei dem die Kosten die Vorschüsse erheblich überschreiten, verstösst gegen Art. 12 lit. i BGFA. Stichwortartige Telefonnotizen genügen nicht, um die periodische Informationspflicht zu erfüllen.
  • Einschlägig für: lit. a, lit. i
  • Besetzung: 5er; PUBL. VORGES.

Leitentscheide (BGE)

BGE 130 II 270

  • Thema: Betreibung ohne Vorwarnung
  • Kernaussage: Die Einleitung einer Betreibung ohne vorgängige Androhung verstösst nicht gegen Art. 12 lit. a BGFA. Nach Inkrafttreten des BGFA können kantonale Disziplinarentscheide mit eidgenössischer Verwaltungsgerichtsbeschwerde angefochten werden. Auf kantonale Standesregeln kann nur noch abgestellt werden, soweit sie eine landesweit geltende Auffassung ausdrücken.
  • Zitierdichte: ~578 Zitate
  • Einschlägig für: lit. a

BGE 131 IV 154

  • Thema: Üble Nachrede / Berufspflicht
  • Kernaussage: Ehrverletzende Äusserungen von Anwälten im Prozess sind durch die Darlegungspflicht und die Berufspflicht gerechtfertigt, sofern sie sachlich fundiert sind (Art. 32 StGB). Art. 12 lit. a BGFA wird nicht verletzt, wenn die Äusserungen im Rahmen der anwaltlichen Darlegungspflicht erfolgen.
  • Zitierdichte: ~542 Zitate
  • Einschlägig für: lit. a

BGE 134 II 108

  • Thema: Doppelvertretungsverbot
  • Kernaussage: Ein Rechtsanwalt, der sowohl den Versicherer als auch den Versicherten vertritt, verstösst nicht gegen lit. c, wenn nur eine abstrakte Möglichkeit eines Interessenkonflikts besteht. Art. 12 lit. c BGFA erfordert eine konkrete Interessenkollision.
  • Einschlägig für: lit. a, lit. c

BGE 138 II 162

  • Thema: Vertretungsverbot / Beschwerdelegitimation
  • Kernaussage: Das einem Anwalt auferlegte Vertretungsverbot stellt unabhängig davon, ob es durch eine disziplinarische oder gerichtliche Behörde ausgesprochen wurde, einen selbstständigen Anspruch auf Beschwerde dar (Art. 89 Abs. 1 lit. c BGG).
  • Zitierdichte: ~1'405 Zitate
  • Einschlägig für: lit. c

BGE 141 IV 257

  • Thema: Mehrfachvertretung im Strafverfahren
  • Kernaussage: Ein Anwalt kann im selben Strafverfahren mehrere Angeklagte vertreten (Art. 127 Abs. 3 StPO), muss aber jegliche Interessenkonflikte vermeiden (Art. 12 lit. a, b und c BGFA). Die verfahrensleitende Behörde entscheidet von Amtes wegen über die Vertretungsbefugnis.
  • Einschlägig für: lit. a, lit. b, lit. c

BGE 144 II 473

  • Thema: Verschwiegenheitspflicht / Beweisverbot
  • Kernaussage: Die Nichtbeachtung einer Vertraulichkeitsklausel und die Offenlegung des Inhalts von Vergleichsverhandlungen verstossen gegen Art. 12 lit. a BGFA. Unterschieden wird, ob Vergleichsverhandlungen zwischen Anwälten oder mit einer nicht vertretenen Gegenpartei erfolgen.
  • Einschlägig für: lit. a

BGE 146 IV 218, E. 3

  • Thema: Akteneinsicht / Kommunikation Anwalt-Mandant
  • Kernaussage: Die Untersuchungsleitung darf der Verteidigung nicht verbieten, die beschuldigte Person über den Inhalt von Strafakten zu informieren. Eine Geheimhaltungspflicht nach Art. 73 Abs. 2 StPO erstreckt sich nicht auf die interne Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant (Art. 12 BGFA).
  • Zitierdichte: ~622 Zitate
  • Einschlägig für: lit. a, lit. h

Weitere Bundesgerichtsentscheide

BGer 2C_1000/2020 vom 2. Juni 2021

  • Thema: Honorar-Informationspflicht
  • Kernaussage: Verletzung von Art. 12 lit. i BGFA, weil der Anwalt den Mandanten nicht über das Stundenhonorar bei beiden Mandaten aufklärte und nicht periodisch über die angefallenen Kosten informierte.
  • Einschlägig für: lit. i

BGer 2C_985/2020 vom 5. November 2021

  • Thema: Unangemessenes Honorar / Aufklärungspflicht
  • Kernaussage: Die Vereinbarung eines unangemessenen Honorars verstösst gegen lit. a, die fehlende Aufklärung über die Grundsätze der Rechnungsstellung gegen lit. i — beide Normen können kumulativ verletzt werden.
  • Einschlägig für: lit. a, lit. i

BGE 135 II 145

  • Thema: Beschwerderecht des Mandanten bei Interessenkonflikt
  • Kernaussage: Beschwerderecht des Mandanten, dessen Anwalt wegen Interessenkonflikts diszipliniert worden ist. Zulässige Beschwerdegründe gegen einen Nichteintretensentscheid.
  • Zitierdichte: ~2'974 Zitate
  • Einschlägig für: lit. c

Kantonale Entscheide

AG Anwaltskommission AVV.2018.75 (22. Juli 2019)

  • Kanton: Aargau
  • Thema: Pauschale überschritten
  • Kernaussage: Abrechnung über der vereinbarten Pauschale ohne schriftliche Abrede verstösst gegen Art. 12 lit. i BGFA. Der Anwalt hat bei Mandatsübernahme über die Grundsätze der Rechnungsstellung aufzuklären.
  • Einschlägig für: lit. i

GL Gerichte VG.2019.00067 (5. September 2019)

  • Kanton: Glarus
  • Thema: Aufklärungspflicht Honorarhöhe
  • Kernaussage: Art. 12 lit. i BGFA verlangt eine Aufklärung über die Grundsätze der Rechnungsstellung sowie periodische Information über die bereits angefallenen Kosten. Der Anwalt muss sich im Rahmen seiner Aufklärungspflicht in der Regel auch zur mutmasslichen Honorarhöhe aussprechen.
  • Einschlägig für: lit. i

SG Kantonsgericht AW.2019.28 (26. Juni 2018)

  • Kanton: St. Gallen
  • Thema: Unangemessenes Honorar / fehlende Aufklärung
  • Kernaussage: Verletzung von Berufspflichten durch Vereinbarung eines nicht angemessenen Honorars und durch unzureichende Information über die Grundsätze der Rechnungsstellung (Art. 12 lit. a und i BGFA).
  • Einschlägig für: lit. a, lit. i

BE Anwaltsaufsicht AA 2019 193 (16. September 2020)

  • Kanton: Bern
  • Thema: Pflichtmandat / Honoraraufklärung
  • Kernaussage: Keine Verletzung der Pflicht zur beförderlichen Mandatsführung (lit. a). Wohl aber Verstoss gegen die Aufklärungspflicht über das geschuldete Honorar (Art. 12 lit. i BGFA).
  • Einschlägig für: lit. a, lit. i

ZH Verwaltungsgericht VB.2024.00128 (10. April 2025)

  • Kanton: Zürich
  • Thema: Ungetreue Geschäftsführung / keine Rechnungsstellung
  • Kernaussage: Bei einem Treuhandmandat ist der Anwendungsbereich von Art. 12 BGFA eröffnet. Es liegt eine schwerwiegende Sorgfaltspflichtverletzung nach lit. a, keine getrennte Aufbewahrung nach lit. h und keine Rechnungsstellung nach lit. i vor. Einjähriges Berufsausübungsverbot bestätigt.
  • Einschlägig für: lit. a, lit. h, lit. i

AG Verwaltungsgericht WBE.2024.448 (3. Juli 2025)

  • Kanton: Aargau
  • Thema: Periodische Honorar-Info
  • Kernaussage: Die bundesgerichtliche Rechtsprechung schreibt weder eine bestimmte Form noch eine bestimmte Intensität der periodischen Information nach Art. 12 lit. i BGFA vor. Massgeblich sind die Umstände des Einzelfalls.
  • Einschlägig für: lit. i

Letzte Aktualisierung: 2026-05-30