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Rechtsprechung zu Art. 14 AsylG

Leitentscheide (BGE)

BGer 2C_270/2025 vom 15. April 2026

  • Thema: Ausschliesslichkeit / Härtefallbewilligung
  • Kernaussage: Pakistani Asylsuchender (seit 2011 in der Schweiz, Asyl abgewiesen 2016) stellte drittes Gesuch gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG. Das BGer bestätigt den Nichteintretensentscheid: Kein Anspruch aus Art. 8 EMRK (keine besonders ausgeprägte Integration bei illegaler Anwesenheit). Die Härtefallregelung wird restriktiv angewendet.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1 (Ausschliesslichkeit); Art. 14 Abs. 2 (Härtefall); Art. 8 EMRK

BGE 149 I 72

  • Thema: Härtefallbewilligung / Rechtsweg
  • Kernaussage: Zentraler Leitentscheid zum Verhältnis zwischen Art. 14 AsylG und Art. 8 EMRK. Ein abgewiesener Asylsuchender, der sich jahrelang ohne Aufenthaltsbewilligung aufhielt, kann sich weder gestützt auf Art. 14 Abs. 4 AsylG noch auf Art. 8 EMRK auf ein Aufenthaltsrecht berufen.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1, 2 und 4 AsylG; Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG

BGE 149 I 207

  • Thema: Besonders ausgeprägte Integration
  • Kernaussage: Präzisierung der Rechtsprechung: Nach illegalem Aufenthalt ist es nicht ausgeschlossen, das Recht auf Achtung des Privatlebens (Art. 8 EMRK) anzurufen, wenn eine besonders ausgeprägte Integration («intégration particulièrement réussie») vorliegt. Dies erfordert Bindungen, die über eine normale Integration hinausgehen.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1 AsylG (bzw. Art. 8 EMRK als Anspruchsausnahme)

BGE 145 I 308

  • Thema: Menschenhandel / Ausschliesslichkeit
  • Kernaussage: Nach dem Grundsatz der Ausschliesslichkeit (Art. 14 Abs. 1 AsylG) kann ein Verfahren auf Erteilung einer ausländerrechtlichen Bewilligung während des Asylverfahrens nicht eröffnet werden. Ausnahme: Anspruch auf Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung für (mutmassliche) Opfer von Menschenhandel gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. e AIG i.V.m. Art. 4 EMRK.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1 (Ausnahme vom Ausschliesslichkeitsgrundsatz)

BGE 139 I 330

  • Thema: Familiennachzug anerkannter Flüchtlinge
  • Kernaussage: Der Ausschliesslichkeitsgrundsatz gilt nicht uneingeschränkt, wo völkerrechtliche Ansprüche (insb. Art. 23 FK) einen Bewilligungsanspruch begründen. Der Familiennachzug anerkannter Flüchtlinge ist vom Ausschliesslichkeitsgrundsatz ausgenommen.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1; Art. 49 ff., 51, 60 AsylG; Art. 8 EMRK; Art. 23 FK

BGE 137 I 351

  • Thema: Eheschliessungspflicht / Ausschliesslichkeit
  • Kernaussage: Das Recht auf Eheschliessung (Art. 12 EMRK, Art. 14 BV) verschafft grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung, der den Ausschliesslichkeitsgrundsatz durchbrechen würde.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1 AsylG; Art. 12 EMRK; Art. 14 BV

BGE 137 I 128

  • Thema: Parteistellung / Rechtsweggarantie
  • Kernaussage: Die subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist zulässig, um sich gegen die Verweigerung der Parteistellung nach Art. 14 Abs. 4 AsylG zu beschweren. Fehlende Rechtsmittel gegen kantonale Entscheide verstossen gegen die Rechtsweggarantie (Art. 29a BV).
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 4 AsylG (Parteistellung beim SEM)

BGE 128 II 200

  • Thema: Ausschliesslichkeit / vorläufige Aufnahme
  • Kernaussage: Grundlegendes Urteil zum Grundsatz der Ausschliesslichkeit des Asylverfahrens. Klärt die Legitimation zur Beschwerde bei vorläufig aufgenommenen Personen und den Begriff des persönlichen Härtefalls im Rahmen der Ausnahmebewilligung.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 1 und 2 AsylG; Art. 44 Abs. 3 AsylG

Weitere Bundesgerichtsentscheide

BGer 2C_77/2023 vom 14. April 2025

  • Thema: Nichteintreten / Art. 14 AsylG
  • Kernaussage: Trotz des Ausschliesslichkeitsgrundsatzes ist der Zugang zum ausländerrechtlichen Verfahren eröffnet, wenn ein Bewilligungsanspruch (z.B. aus Art. 8 EMRK) in vertretbarer Weise dargetan wird.

BGer 2C_821/2021 vom 1. November 2022

  • Thema: Härtefallbewilligung / Art. 14 Abs. 2
  • Kernaussage: Der Kanton kann mit SEM-Zustimmung nach Art. 14 Abs. 2 AsylG eine Härtefallbewilligung erteilen, wenn die kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen vorliegen.

BGer 2C_430/2012 vom 21. Mai 2012

  • Thema: Ausschliesslichkeit / Vorrang
  • Kernaussage: Art. 14 Abs. 1 AsylG statuiert den Grundsatz der Ausschliesslichkeit bzw. des Vorrangs des Asylverfahrens. Zweck: Vermeidung einer Privilegierung von Asylsuchenden und Sicherstellung eines einheitlichen Aufenthaltsstatus.

BGer 2A.280/2001 vom 21. September 2001

  • Thema: Gegenstandslosigkeit hängiger Verfahren
  • Kernaussage: Hängige fremdenpolizeiliche Verfahren werden mit dem Einreichen eines Asylgesuchs gegenstandslos (Art. 14 Abs. 5 AsylG). Erteilte Aufenthaltsbewilligungen bleiben gültig.
  • Einschlägig für: Art. 14 Abs. 5 und 6 AsylG

BGer 2A.8/2005 vom 30. Juni 2005

  • Thema: Anspruchsvoraussetzung (eng)
  • Kernaussage: Der Begriff «Anspruch» in Art. 14 Abs. 1 AsylG ist eng auszulegen. Nur wenn offensichtlich ein grundsätzlicher Anspruch auf die beantragte Bewilligung besteht, hindert Art. 14 AsylG die Behörde am Nichteintreten nicht.

Letzte Aktualisierung: 2026-05-23